Diskutiert, aktuell: Wiesbadener Bürger lehnen CityBahn ab +++ über 60 % Nein-Stimmen +++ Nur 3 Ortsbezirke dafür +++ 10 Mio. Euro verbrannt +++ Kartoffeln einkellern +++ Lupinen für Nutztierhaltung +++ Finanzierungsratgeber für Agribusiness +++

Die Bildredakteure recherchieren im Bestand nach Fotos, die zu Themen passen, die diskutiert werden. Oft werden zu einem Thema mehrere – auch ähnliche – Fotos vorgeschlagen. Die Entscheidung, mit welchem Foto ein Beitrag illustriert wird, erfolgt häufig in einem weiteren Arbeitsschritt. Die folgenen Fotos zeigen eine Auswahl der Fotos, die zu aktuell (im aktuellen Kalenderquartal) diskutierten Themen. Die Fotos sind nicht zwingend thematisch gruppiert.


Fotos: Peter Gaß, Stand: 09.11.2020 (a: 123, q4: 47); 02.11.2020 (a: 123, q4: 40), 26.10.2020 (120), 13.10.2020 (113), 01.10.2020 (72); 30.09.2020 (61: 23 Agrar von LDW-V2, 4 W-Presse, 8 GalaBau)

Die obigen Fotos wurden insbes. zu den folgenden Themen recherchiert.

Agribusiness

Lupinen im Aufwind für die Nutztierfütterung – Agravis-Kundenberater Bernhard Wegener im Interview

Die weiße Lupine kann auch auf schlechteren Standorten angebaut werden. Foto: Peter Gaß frg/agravis. WIESBADEN/MÜNSTER. 6. November 2020 – Mit ihrem vergleichsweise hohen Proteingehalt stellt der Anbau von Lupinen eine gute Alternative zu anderen Leguminosen in der Nutztierfütterung dar. Was die Feldfrucht so besonders macht und auf welche Anbaubedingungen Landwirte achten sollten, erklärt Kundenberater Bernhard Wegener von der AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH.

Welche Besonderheiten zeichnen die Weiße Lupine aus?

Wegener: Mit ihrem Eiweißgehalt von rund 32 Prozent ist die Weiße Lupine, eine einjährige Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchte, sowohl in der Tier- als auch in der Humanernährung als Proteinkomponente einsetzbar. Durch den Fettgehalt von zirka zehn Prozent weist sie außerdem einen hohen Energiegehalt auf. Das macht die Weiße Lupine besonders in der Milchviehfütterung interessant, da sie dem Rapsschrot im Hinblick auf die Energiedichte deutlich überlegen ist. Der Proteingehalt ist vergleichbar. In der Humanernährung eignet sie sich für die Herstellung von proteinreichen und glutenfreien Lebensmitteln.

Was macht den Anbau für Landwirte interessant?

Wegener: Von der Marktfruchtleistung ist die Weiße Lupine mit der Ackerbohne gleichzusetzen. Im direkten Vergleich kann sie sogar noch mit zwei Vorteilen punkten, da sie auch auf schlechteren Standorten angebaut werden kann und darüber hinaus eine bessere Einsetzbarkeit in der Fütterung bietet.

Dank ihrer Pfahlwurzel ist die Weiße Lupine tolerant gegenüber Trockenheit und eignet sich auch für schwere Böden. Als wirtschaftlich anbauwürdige Lupinensorten kommen die Sorten Frieda und Celina in Frage. Bei diesen Anthraknose-toleranten Sorten gibt es keine übermäßig auftretenden Krankheiten oder Schadinsekten. Durch die feste Hülse und eine saubere Abreife sind die Ernteverluste gering. Die Erträge der Weißen Lupine liegen zwischen 20 und 60 Dezitonnen.

Die Weiße Lupine hinterlässt eine Bodengare wie Raps, wobei sie hinsichtlich ihrer Vorfruchtwirkung im direkten Vergleich noch besser einzustufen ist, da sie Phosphor verfügbar macht und Luftstickstoff fixiert. Allerdings sollten Landwirte den vergleichsweise hohen Grund- und Spurennährstoffbedarf im Blick behalten.

Welche Aussaat- und Anbaubedingungen brauchen Lupinen?

Wegener: Die Aussaat der Weißen Lupine erfolgt zwischen März und April, geerntet wird zwischen August und September. Für die Aussaat ist keine spezielle Technik erforderlich, da die Lupine mit einer Aussaattiefe von drei bis vier Zentimetern flach abgelegt wird. Eine zu flache oder zu tiefe Saat wirkt sich negativ auf den Ertrag aus.

Da die Lupine empfindlich auf freies Calcium reagiert, sollte der Ziel-pH-Wert des Bodens nicht überschritten werden. Zudem ist eine direkte Kalkung vor der Lupine und zur Vorfrucht nicht empfehlenswert. Landwirte sollten außerdem auf eine organische Düngung verzichten. Eine mineralische Gründüngung und eine Blattspritzung sind dagegen vorteilhaft. Des Weiteren sollten die Rhizobien angebeizt werden.

Für viele Landwirte ist das Thema neu. Stehen Sie bei weiteren Fragen bereit?

Wegener: Gerne doch. Hier sind meine Kontaktdaten: AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH, Bernhard Wegener, Telefon 01 72 / 2 33 17 32, E-Mail: bernhard.wegener[at]agravis.de
06.11.2020; AGRAVIS Raiffeisen AG; in: Medienservice 11/2020 von Donnerstag, dem 05.11.2020, mit dem Titel „Nutztierfütterung: Lupinen im Aufwind“; https://www.agravis.de/de/ueber-agravis/newsroom/medienservice/#2203396post4

Tipps zum Agrarkreditgespräch: Rentenbank veröffentlicht Finanzierungsleitfaden

Der Finanzierungsleitfaden enthält Praxistipps.  Foto: Peter Gaß frg/reb. WIESBADEN/FRANKFURT AM MAIN. 6. November 2020 – Für den Erfolg einer Investition ist eine durchdachte Finanzierung entscheidend. Das gilt insbesondere in der Agrarwirtschaft mit ihren sehr langen Investitionszeiträumen. Worauf es beim Agrarkreditgespräch ankommt, erklärt die Landwirtschaftliche Rentenbank in ihrem „Finanzierungsleitfaden“.

Der Ratgeber führt durch alle Schritte des Agrarkreditgesprächs. Er geht dabei sowohl auf die Perspektive des Endkreditnehmers als auch auf die der Hausbank bzw. des Agrarkreditberaters ein.

Die Rentenbank hat den Finanzierungsleitfaden im Jahr 2020 in einer umfassend überarbeiteten und aktualisierten Neuauflage veröffentlicht. Interessierte können die neue Broschüre hier kostenlos als Print-Version bestellen: https://www.rentenbank.de/ueber-uns/publikationen/bestellformular/
06.11.2020; Landwirtschaftliche Rentenbank; in: Pressemitteilung von Donnerstag, dem 13.05.2020, mit dem Titel „Tipps zum Agrarkreditgespräch: Rentenbank veröffentlicht Finanzierungsleitfaden“; https://www.rentenbank.de/presse/Tipps-zum-Agrarkreditgespraech-Rentenbank-veroeffentlicht-Finanzierungsleitfaden/

Eckpunkte der GAP beschlossen

BDie grüne Architektur ist Teil der GAP. Foto: Peter Gaß frg/bmel. WIESBADEN/BERLIN. 23. Oktober 2020 – Unter Vorsitz der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), haben sich die 27 Mitgliedstaaten im EU-Agrarrat in Luxemburg auf die Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) geeinigt. Damit ist eines der zentralen Ziele der deutschen Ratspräsidentschaft erreicht. Nach zwei Tagen intensiver Verhandlungen wurde am Dienstag, dem 20. Oktober 2020, die so genannte ‚Allgemeine Ausrichtung‘ beschlossen. Diese ist das Mandat für den Rat, um mit dem Europäischen Parlament und der Kommission in die Trilog-Verhandlungen zur Reform der GAP zu gehen.

Mit Annahme des Vorschlags der deutschen Präsidentschaft wird es Leitplanken für den Umweltschutz in der GAP geben – die Mitgliedstaaten bekennen sich zu einer so genannten Grünen Architektur, also Regelungen, die höhere Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft unterstützen. Auch werden künftig alle Direktzahlungen an klare Konditionen geknüpft sein. Förderung gibt es nur noch, wenn Bedingungen für mehr Nachhaltigkeit erfüllt werden: keine Leistung ohne Gegenleistung. Beispiele sind etwa der Erhalt von Dauergrünland, Schutz von Feuchtgebieten, die Herausnahme von Fläche aus der Produktion für Biodiversität oder Fruchtwechsel für Vielfalt auf dem Acker. Das hohe Niveau der Umweltleistungen im deutschen Vorschlag war unter den Mitgliedsstaaten umstritten.

Der Agrarrat einigte sich auf folgende wesentliche Punkte.

Grüne Architektur

  • Kernstück sind verbindliche Öko-Regelungen in der ersten Säule. Sie liefern einen messbaren Beitrag zur Erreichung von Umwelt- und Klimaschutz-Zielen.
  • Für die Öko-Regelungen müssen die Mitgliedstaaten zudem ein verpflichtendes Mindestbudget von 20 Prozent der Direktzahlungen zur Verfügung stellen. Für Deutschland sind das etwa knapp eine Milliarde Euro im Jahr.
  • Um der Sorge einiger Mitgliedstaaten entgegenzutreten, dass Finanzmittel verfallen könnten, wenn Landwirte dieses neue Instrument nicht ausreichend nachfragen, ist eine zweijährige Lernphase Teil des Kompromisses. In dieser Zeit dürfen ungenutzte Mittel anders verwendet werden, wenn alle Umschichtungsmöglichkeiten innerhalb der Öko-Regelungen ausgeschöpft sind.

Konditionalität

Im Rahmen der Konditionalität haben Mitgliedstaaten im GLÖZ 9 (Standard 9 für den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand von Flächen) die Wahl, wie die höhere Umwelt- und Klimaambition umgesetzt wird.

  • Option 1: Drei Prozent der Ackerfläche müssen für ausschließlich nicht-produktive Flächen und Elemente vorgesehen werden (Stilllegung).
  • Option 2: Ein Prozentsatz von mindestens fünf Prozent für nicht-produktive Flächen und Elemente, wobei auch die Flächennutzung für den Anbau von Zwischenfrüchten und stickstoff-fixierenden Pflanzen ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erlaubt ist.

Kappung und Degression

  • Eine Kappung ist ausschließlich bei einem Betrag von 100.000 Euro möglich.
  • Zudem ist eine Degression auf freiwilliger Basis möglich:

    • Ab 60.000 Euro Basisprämie können Länder stufenweise ansteigende Kürzungsprozentsätze für die Basisprämie je Begünstigten einführen.
    • Auch bei Beträgen über 100.000 Euro Basisprämie ist eine Degression möglich.

Julia Klöckner: „Die von uns erreichte Einigung ist ein Meilenstein für die Gemeinsame Agrarpolitik in Europa – sie ist ein Systemwechsel. Ich freue mich, dass es in unserer Ratspräsidentschaft gelungen ist, Europa in einer so zentralen Frage zu einen. Trotz der unterschiedlichen Agrarstrukturen der 27 Mitgliedstaaten haben wir gemeinsam eine wegweisende Entscheidung getroffen. Erstmals führen wir für alle Staaten gleichermaßen einen verpflichtenden Standard für den Umwelt- und Klimaschutz ein. In den Verhandlungen haben wir hier Kurs gehalten, diesen Punkt zu unserer roten Linie gemacht. Das ist ein fundamentaler Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit, Fairness und Wettbewerbsgerechtigkeit innerhalb der EU.

Klar ist aber auch: Wer die regionale landwirtschaftliche Erzeugung erhalten will, der muss höhere Auflagen auch honorieren. Einkommens- und Ertragssicherung sind keine Nebensache, wenn wir nicht immer mehr Lebensmittel importieren wollen. Wir haben daher großen Wert darauf gelegt, dass die Anforderungen praxistauglich und umsetzbar sind und dadurch entstehende Mehrkosten ausgeglichen werden. Wir zeigen, dass eine stärkere Umwelt- und Klimaambition zusammengeht mit Ernährungssicherung und der notwendigen Einkommensstützung für die Betriebe. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist das eine große Chance. Denn damit schaffen wir weiterhin die Grundlage für eine wettbewerbsfähige Nahrungsmittelproduktion in der EU.“
23.10.2020; Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); in: Pressemitteilung Nr. 206/2020, von Mittwoch, 21.09.2020, mit dem Titel „Klöckner: Einigung ist Systemwechsel in der europäischen Agrarpolitik“; https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/206-kl-eu-agrarrat-luxemburg.html

Kartoffelernte 2020: 420 dt/ha

Kartoffelernte 2020: 420 dt/ha. Foto: Peter Gaß frg/bmel. WIESBADEN/BERLIN. 23. Oktober 2020 – Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat am Mittwoch, dem 23. September 2020, das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte des Jahres 2020 in Deutschland bekannt gegeben. Basierend auf den bisher vorliegenden Rodeergebnissen aus der „Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung“ wird eine Ernte von rund 11,6 Millionen Tonnen erwartet. Das wären 8,9 Prozent mehr als im Jahr 2019 und 8,3 Prozent mehr als im mehrjährigen Durchschnitt.

Wesentlicher Grund dafür ist die anhaltende Ausweitung des Kartoffelanbaus. In Deutschland ist die Anbaufläche für Speise-, Verarbeitungs- und Industriekartoffeln um 1,2 Prozent auf fast 275.000 Hektar angestiegen. Spitzenreiter bei der Anbaufläche bleibt Niedersachsen (45 Prozent), gefolgt von Bayern (16 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (13 Prozent). Nach Schätzungen des Verbandes der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer werden auf knapp 190.000 Hektar der deutschen Anbaufläche Konsumkartoffeln erzeugt.

Im Bundesdurchschnitt weisen die bisher ausgewerteten Rodeergebnisse einen vorläufigen Hektarertrag von 420 Dezitonnen aus. Damit werden die schlechten Ergebnisse der beiden vorangegangenen Trockenjahre übertroffen, der mehrjährige Durchschnitt jedoch um 1,6 Prozent verfehlt.
23.10.2020; Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); in: Pressemitteilung Nr. 170/2020, von Donnerstag, 24.09.2020, mit dem Titel „Kartoffelernte 2020 – Vorjahresergebnis deutlich übertroffen“; https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/170-kartoffelernte.html

dlg-Milchviehforum: Eine Kuh Abstand

Die dlg hat zum Forum Milchviehhaltung eingeladen.  Foto: Peter Gaß frg/dlg. WIESBADEN/FRANKFURT AM MAIN. 1. Oktober 2020 – Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hatte zu ihren Unternehmertagen 2020, die als digitale Veranstaltung stattfanden, am 3. September 2020 zur Veranstaltung „Forum Milchviehhaltung“ eingeladen. Das Thema: „Eine Kuh Abstand – Märkte, Maßnahmen und neue Geschäftsfelder in der Milchproduktion“.

Kasper Thormod Nielsen von Arla Foods Deutschland GmbH schilderte, wie bei Arla vor allem die Sicherheit der Mitarbeiter und Landwirte zu Beginn der Corona-Pandemie im Vordergrund standen. Die anfängliche Angst, dass die Nachfrage einbricht, wurde durch den steigenden privaten Konsum schnell vergessen. Die Menschen kochten während des Lock-Downs mehr zu Hause und verzehrten insgesamt mehr Milchprodukte. Die Lage am Milchmarkt habe sich inzwischen wieder beruhigt und es zeige sich, dass vor allem durch höhere Umsätze im E-Commerce-Segment der Rückgang im Foodservice ausgeglichen werden konnte. Größere Nachfrageimpulse aus dem Ausland kamen aus der Region MENA (Mittlerer Osten und Nordafrika). Trotz der Krise nähmen inzwischen rund 90 Prozent der anliefernden Landwirte an dem freiwilligen Nachhaltigkeits-Programm „Klimacheck“ von Arla teil. Dessen Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30 Prozent pro Kilogramm Milch zu senken und bis 2050 auf Netto-Null-Emissionen hinzuarbeiten.

Dr. Sven Grupe von der Koesling Anderson LEB GmbH wies auf die größten Herausforderungen für Milcherzeuger im Ausnahme-Frühjahr 2020 hin: Lieferketten, Mitarbeitergesundheit und interne Kommunikationswege, niedrige Auszahlungspreise sowie die Optimierung der Produktionsprozesse. Zu Beginn der Pandemie zeigte sich schnell, dass Hygienekonzepte gerade bei Betrieben mit einer hohen Anzahl an Mitarbeitern aufgestellt werden müssen. Die strengen Maßnahmen beschleunigten den verstärkten Einsatz von digitaler interner Kommunikation und so mussten Übergabeprotokolle, SOP und Arbeitsanweisungen neu überarbeitet werden. Blicke man auf die Ökonomie, zeige sich, dass die niedrigen Milchauszahlungspreise eine direkte Wirkung auf die Liquidität in den Betrieben haben, und qualitätsbezogene Zuschläge wichtiger werden. Für die Investitionsbereitschaft biete sich zugleich ein positives Umfeld: niedrige Zinsen, flexibler Umgang mit Tilgungen und Bürgschaften. „Eigentlich die richtige Zeit für Investitionen – die richtige Zeit für Unternehmer!“, rät Dr. Sven Grupe seinen Zuhörern.

Doch was sind stabile Betriebskonzepte, zum Beispiel Direktvermarktung? Gerade in der Pandemie war dieser Absatzkanal von Hochs und Tiefs geprägt und schnelles Handeln war gefragt. Claudia Müller vom Weidenhof in Wächtersbach zeigte, dass auch bei Ihnen am Anfang eine große Unsicherheit bestand – Cafés, Gastronomiebetriebe sowie zuletzt auch Schulen schlossen ihre Türen und so brach die Nachfrage im Großverbrauchermarkt ein. Doch der Privatkonsum stieg und der Weidenhof wurde von Neukunden überflutet. Gerade das kontaktlose Einkaufen durch Belieferungen an der Haustür wurde sehr positiv angenommen. Die Tourenplanung, die Abfüllplanung und die Arbeitsorganisation in der Molkerei wurden schnell zur täglichen Herausforderung. Aber man konnte auch neue Ideen wie zum Beispiel die Benutzung von Mehrwegflaschen umsetzen. Als Fazit für einen Einstieg in die Direktvermarktung gab Claudia Müller den Zuhörenden mit, dass vor allem durch Offenheit und Kommunikation Vertrauen bei den Kunden gewonnen werden kann, und so eine langfristige Beziehung und damit ein langfristig stabiler Kundenstamm aufgebaut werden sollte.

Online per Video aus Österreich zugeschaltet war Karl Neuhofer, Landwirt und Obmann der ARGE Heumilch. Er beleuchtete den Markt und welche Chancen es derzeit für Heumilch gibt. 7.500 Heumilchbauern und 60 Heumilchverarbeiter sind Teil der ARGE Heumilch, die Erzeuger und Verarbeiter berät und weiterbildet um die Wertschöpfung für deren Produkte zu erhöhen. Vermarktungsoffensive werden auch via TV-Spots gestartet, um dem Konsumenten das Produkt und die „inneren Werte“ Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und Genuss näherzubringen. Die ARGE Heumilch ist mit Kooperationspartnern inzwischen auch in Deutschland, Italien und der Schweiz aktiv und ihre Kampagnen führen zu einem steigenden Bekanntheitsgrad bei Landwirten sowie Konsumenten. Ziel der Zusammenarbeit ist auch, gemeinsame Standards und Richtlinien für Heumilch zu schaffen. Derzeit sind in Österreich 40 Prozent der von der ARGE vermarkteten 510 Millionen kg Milch Bio-Heumilch, 82 Prozent der Heumilch-Bauern betreiben Weidewirtschaft, 98 Prozent der Betriebe sind im österreichischen Umweltprogramm beteiligt. Ein Antrag für eine länderübergreifende Kommunikationskampagne für Heumilch wurde bei der EU eingereicht. Karl Neuhofer sieht folgende Punkte am Wichtigsten für eine Steigerung des Marktanteiles von Heumilch:

  • Volle Geschlossenheit aller Heumilchbauern, Verarbeiter, Vermarkter
  • Kommunikation und Werbung als zentraler Schlüssel für den Erfolg am Markt und ein ausreichender Mitteleinsatz dafür
  • Heumilch als echtes „Juwel“ der Milchwirtschaft zu positionieren.

01.10.2020; Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG); in: Pressemitteilung, von Montag, 14.09.2020, mit dem Titel „Eine Kuh Abstand – Märkte, Maßnahmen und neue Geschäftsfelder in der Milchproduktion“; https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/presse/aktuell#!/news/eine-kuh-abstand-maerkte-massnahmen-und-neue-geschaeftsfelder-in-der-milchproduktion

Nordzucker erwartet durchschnittliche Erträge bei Zuckerrüben

Nordzucker erwartet durchschnittliche Erträge bei Zuckerrüben. Foto: Peter Gaß frg/nz. WIESBADEN/FRANKFURT AM MAIN. 1. Oktober 2020 – Die Rübenkampagne steht im Jahr 2020 unter besonderen Vorzeichen: Am 10. September startet für Nordzucker die Verarbeitung der Zuckerrüben als erstes im deutschen Werk Schladen. Nordzucker hat alle Vorbereitungen getroffen, auch unter den speziellen Hygiene-Bedingungen durch Covid-19 eine gute Kampagne zu fahren, die im Januar 2021 enden soll.

Die ersten Zuckerrüben dieses Anbaujahres wurden im Werk Schladen (Deutschland) am Donnerstag, dem 10. September 2020, zu Biozucker verarbeitet. Das Werk Opalenica (Polen) folgte am Freitag, dem 11. September 2020, anschließend starten die Werke in den anderen Ländern mit der Rübenverarbeitung. Am Donnerstag, dem 1. Oktober 2020, wird das Werk in Finnland als letztes im Konzern die Verarbeitung aufnehmen.

Trockenheit führte zu Bestandslücken

Nach einer zügigen Aussaat Anfang April 2020 hatten die Rüben in manchen Regionen wegen ausgebliebener Niederschläge zunächst Aufgangsschwierigkeiten. Lückige Bestände waren das Resultat. Wie bereits im Jahr 2019 gab es über die Vegetationsperiode hinweg in einigen Regionen während des Sommers deutlich zu wenig Niederschläge. Besonders betroffen waren Teile der Anbauregionen in Deutschland, Polen und Litauen. Gegen Ende des Sommers 2020 einsetzende Niederschläge führten dann in fast allen Ländern zu deutlichen Zuwächsen.

Dr. Lars Gorissen, Vorsitzender des Vorstands und zuständig für das Ressort Agrarwirtschaft, bekräftigt: „Das Jahr 2020 zeigt wieder einmal, dass die Zuckerrübe auch extreme Witterungsverhältnisse bis zu einem gewissen Grad ausgleichen kann. Der einsetzende Regen hat für deutliche Zuwächse gesorgt. Für den Konzern rechnen wir insgesamt mit einem durchschnittlichen Ertragsniveau.“ Mit Blick auf die Märkte sagt Dr. Gorissen weiter: „Wir gehen von stabilen und ausgeglichenen Bedingungen auf dem Europäischen und weltweiten Zuckermarkt aus. Die Covid-19 Pandemie hat sich nach den Hamsterkäufen im März 2020 anschließend nur leicht dämpfend auf die Nachfrage ausgewirkt.“

Auch im Jahr 2020 werden Öko-Rüben zu Biozucker verarbeitet. Zusätzliche Verträge mit Anbauern führen Jahr 2020 zu einer ausgeweiteten Produktion von Biozucker. Für Nordzucker werden Rüben aus ökologischem Anbau in Schladen, Nykøbing (Dänemark) und Kèdainiai (Litauen) verarbeitet.

Kampagneende im Januar 2021 erwartet

Axel Aumüller, Vorstand Produktion, sieht die Werke in allen Ländern gut vorbereitet für die bis in den Januar 2021 laufende Kampagne: „Unsere Kollegen in den Werken haben diese auch unter den herausfordernden Bedingungen des Jahres 2020 gut auf die Kampagne vorbereitet. Unsere Hygiene-Maßnahmen zu Covid-19 sind in den Werken implementiert, oberstes Ziel ist und bleibt die Vermeidung von Infektionen. Bereits in der Vorbereitungsphase konnten wir auch unsere Investitionen in die Bereiche Lagerung und Logistik umsetzen. Wir haben den Markt und den Qualitätsanspruch unserer Kunden fest im Blick.“

Der zweite Schwerpunkt liegt auf der weiteren Verbesserung der Energiebilanz der Werke. Aumüller weiter: „Wir verfolgen in unserem Projekt „Go Green“ das Ziel, den CO2-Ausstoß in unseren Werken weiter zu senken und langfristig ohne fossile Energie auszukommen. Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten halten wir Kurs in Sachen Energieeffizienz und Reduzierung von Emissionen.“
Kampagne
Als Zuckerrübenkampagne oder kurz Kampagne wird der Zeitraum des Jahres bezeichnet, in dem die Zuckerrüben in den Zuckerfabriken verarbeitet werden. Die Kampagne dauert in der Regel von Mitte September bis Januar.
Nordzucker Konzern
Das sagt der Nordzucker Konzern über sich selbst: Der Nordzucker Konzern mit Hauptsitz in Braunschweig, Deutschland, ist einer der führenden Zuckerhersteller weltweit. Aus Rübe und Rohr gewinnen wir Weißzucker, Rohzucker, Raffinade, Spezialitäten sowie flüssige Zucker. Darüber hinaus stellt das Unternehmen Futtermittel, Melasse, Düngemittel und Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien sowie Strom her. Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette hat dabei eine hohe Priorität. Insgesamt stehen 3.800 Mitarbeiter in 21 europäischen und australischen Produktions- und Raffinationsstätten konzernweit für exzellente Produkte und Services und bilden so die Basis für den weiteren Wachstumskurs
01.10.2020; Nordzucker AG; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 10.09.2020, mit dem Titel „Unter anderen Vorzeichen: Kampagne 2020/21“; https://www.nordzucker.com/de/news/unter-anderen-vorzeichen-kampagne-2020-21/

Weitere Aspekte, die rund um Agribusiness aktuell diskutiert werden

  • Herbstbestellung

Coronavirus, SARS-CoV-2, COVID-19

Das Coravirus wurde bereits im 1. Quartal 2020, im 2. Quartal 2020 und im 3. Quartal 2020 diskutiert. Die Bildredakteure haben für verschiedene Beiträge Fotos ausgewählt. Die Fachredakteure haben den Beitrag „Coronavirus, SARS-CoV-2, COVID-19“ erstellt.

Fachbezeichnung

Coronavirus, SARS-CoV-2, COVID-19. Foto: Peter Gaß Die Fachbezeichnung für das neue Coronavirus lautet SARS-CoV-2. Es stellt nach MERS und SARS die dritte durch Coronaviren (CoV) ausgelöste Epidemie im 21. Jahrhundert dar. Die aus SARS-CoV-2 resultierende Lungenkrankheit heißt COVID-19. COVID-19 ist die Abkürzung für den englischen Begriff coronavirus disease 2019; auf Deutsch: Coronavirus-Krankheit 2019. Klassifikation nach ICD-10: U07.1 – COVID-19, Virus nachgewiesen, U07.2 – COVID-19, Virus nicht nachgewiesen.

Handhygiene: Seife, Desinfektion

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsbereich

  • begrenzt viruzid
  • wirksam gegen behüllte Viren
  • begrenzt viruzid PLUS
  • viruzid

zu nutzen.

BAuA erläutert SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

BAuA erläutert SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel. Foto: Peter Gaß frg/baua. WIESBADEN/DORTMUND. 8. Oktober 2020 – Am Donnerstag, dem 20. August 2020, trat die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel durch Veröffentlichung im Gemeinsamen Ministerialblatt in Kraft. Die Regel ist ein Instrument, um wirksame Maßnahmen gegen SARS-CoV-2-Infektionen bei der Arbeit professionell umzusetzen. Zudem gibt die erste Technische Regel, die gemeinsam erstellt und von allen Arbeitsschutzausschüssen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales getragen wird, Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden Orientierung und Rechtssicherheit. Die neue Ausgabe der baua: Aktuell geht auf die Entwicklung und Inhalte der neuen Arbeitsschutzregel ein. „Wir wollen die Betriebe dabei unterstützen, weiterhin ihre Schutzmaßnahmen professionell umzusetzen und gleichzeitig ihre wirtschaftlichen Aktivitäten so gut es unter diesen Bedingungen geht, weiterzuverfolgen“, sagt Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Interview.

Zwar bleiben Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften die wichtigsten Maßnahmen des Infektionsschutzes, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sind jedoch nach dem Arbeitsschutzgesetz vorrangig zu ergreifen. Hier zeigt die Regel beispielhafte Schutzmaßnahmen auf. Dabei kommen auch die Vorsitzenden der Arbeitsschutzausschüsse beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die federführend an der Erstellung der Regel beteiligt waren zu Wort. Zudem greift die Ausgabe Aspekte wie die psychische Belastung, die Arbeit im Homeoffice oder die Empfehlung der Bundesregierung zum infektionsschutzgerechten Lüften auf.

Die aktuelle Ausgabe gibt es – ebenso wie alle seit 2005 erschienenen Mitteilungen – kostenfrei auf der Internetsite der BAuA unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Aktuell/3-2020.html .
BAuA
Das sagt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) über sich selbst: Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
08.10.2020; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA); in: Pressemitteilung Nr. 40/20, von Donnerstag, 08.10.2020, mit dem Titel „baua: Aktuell 3/20: Schwerpunkt SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel“; https://www.baua.de/DE/Services/Presse/Pressemitteilungen/2020/10/pm040-20.html

BAuA: Desinfektionsmittel wird knapp

BAuA: Desinfektionsmittel wird knapp. Foto: Peter Gaß frg/baua. WIESBADEN/DORTMUND. 1. Oktober 2020 – Im Frühjahr 2020 wurde das Desinfektionsmittel in Deutschland knapp. Im Sommer 2020 war die Versorgung – auch für Unternehmen und Privatpersonen – sichergestellt. Anfang Oktober ist die Situation sehr unterschiedlich. Es gibt Apotheken in Wiesbaden, die verkaufen kein Desinfektionsmittel an Privatpersonen und Unternehmen. Die Kunden bekommen die Antwort, es sei keines zu bekommen. Andere Apotheken haben großzügig ein Schaufenster mit Desinfektionsmittel dekoriert. Bei diesen Apotheken gibt es Händedesinfektionsmittel, Flächendesinfektionsmittel, Händedesinfektionsgel etc. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) weist Mitte September 2020 darauf hin, dass Desinfektionsmittel für Anwender außerhalb des Gesundheitswesens knapp ist.

Durch rasche und umfangreiche Infektionsschutzmaßnahmen und die Mitwirkung der Bevölkerung ist die Anzahl der Neuerkrankungen an COVID-19 in Deutschland zunächst gesunken. Aktuell sind jedoch wieder mehr Neuerkrankungen zu verzeichnen und es muss – abhängig von zahlreichen, noch ungewissen Faktoren – damit gerechnet werden, dass die Fallzahlen weiter ansteigen können. Außerdem nehmen Unternehmen mit Publikumsbetrieb und öffentliche Einrichtungen wieder zunehmend ihre Betriebstätigkeit auf und die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln nimmt zu. Zusätzlich sind die Schulen nach Beschluss der Kultusministerkonferenz nach den Sommerferien wieder zum Regelschulbetrieb zurückgekehrt. Obgleich Handhygiene durch gründliches Händewaschen für die Allgemeinbevölkerung im Alltag ausreichend ist, um einer Übertragung von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 über die Hände vorzubeugen, sehen Hygienekonzepte von Einrichtungen und Betrieben vielfach das Angebot und die Nutzung von Desinfektionsmitteln zur persönlichen Händehygiene vor. Unter diesen Voraussetzungen muss damit gerechnet werden, dass es – ausgehend von dem aktuell bereits erhöhten Nachfrageniveau – in den kommenden Monaten erneut zu einer Steigerung der Nachfrage nach Desinfektionsmitteln zur Verhütung von COVID-19-Infektionen kommen kann.

Die Hersteller von Desinfektionsmitteln, die die Anforderungen an eine Verwendung im medizinischen Bereich nachweislich erfüllen, haben ihre Produktionskapazitäten in den vergangenen Monaten erheblich ausgebaut. Diese Desinfektionsmittel, die ein dem Bedarf der medizinischen Einrichtungen entsprechendes Wirkspektrum haben und den Anforderungen nach den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) entsprechen, stehen für die Versorgung des Gesundheitswesens in ausreichender Menge zur Verfügung. Zur Deckung des darüberhinausgehenden Bedarfs von öffentliche Einrichtungen und Betrieben sowie Privatverbrauchern bedarf es jedoch nochmals der Aktivierung unterstützender Produktionskapazitäten zur Herstellung von Desinfektionsmitteln zur Verhütung von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, nachdem am 6. Oktober 2020 die zur ersten COVID-19-Welle getroffenen biozidrechtlichen Ausnahmeregelungen auslaufen werden.

Um einen Überblick über die im Rahmen dieser Allgemeinverfügung hergestellten und importierten Mengen an Desinfektionsmitteln zu bekommen, ist es vorgesehen, dass die Hersteller bzw. Importeure der Mittel monatlich die entsprechenden Mengen bei der BAuA unter Verwendung eines elektronischen Formulars melden.
BAuA
Das sagt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) über sich selbst: Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
01.10.2020; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA); in: Pressemitteilung, von Mittwoch, 16.09.2020, mit dem Titel „Neue Allgemein­verfügung zu Hände­desinfektions­mitteln“; https://www.baua.de/DE/Angebote/Aktuelles/Meldungen/2020/2020-09-16-Haendedesinfektion.html

BAuA weist auf Empfehlungen zum infektionsschutzgerechten Lüften hin

Am Arbeitsplatz muss infektionsschutzgerechten gelüftet werden. Foto: Peter Gaß frg/baua. WIESBADEN/DORTMUND. 1. Oktober 2020 – In den vergangenen Monaten wurde vielfach darauf hingewiesen, dass die Infektionsgefahr bei SARS-CoV-2 in geschlossenen Räumen wesentlich größer ist, als im Freien. Das Durchlüften wurde empfohlen. Viele Betriebe haben nach den Sommerferien 2020 damit begonnen, ihre Mitarbeiter aus den Homeoffices wieder an den Arbeitsplatz zu holen. Vielfach gibt es eine Präsenzpflicht. Da stellt sich die Frage, wie wird dabei – insbesondere in der kalten Jahreszeit – die Frischluftversorgung sichergestellt.

Am 16. September 2020 hat die Bundesregierung eine „Empfehlung zum infektionsschutzgerechten Lüften“ beschlossen, denn in der kalten Jahreszeit wird regelmäßiges und richtiges Lüften noch wichtiger für den Infektionsschutz. An der Erarbeitung der Maßnahmenempfehlungen war auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beteiligt. Sie hat jetzt den baua: Fokus „Infektionsschutzgerechtes Lüften – Hinweise und Maßnahmen in Zeiten der SARS-CoV-2-Epidemie“ veröffentlicht. Er beschreibt vertiefend die wissenschaftliche Erkenntnislage zum infektionsschutzgerechten Lüften. Zudem gibt er konkrete Handlungsempfehlungen zur Lüftung sowie eine angepasste Ausführung und Betriebsweise von raumlufttechnischen Anlagen.

Sachgerechtes Lüften senkt zusammen mit weiteren Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko. Dies kann bereits durch freies Lüften über Fenster und Türen geschehen. Mit Bezug auf die Arbeitsstättenregel ASR A3.6 „Lüftung“ wird beispielsweise ein kontinuierliches Lüften oder eine Stoßlüftung empfohlen. Beim Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) können verschiedene Maßnahmen das Infektionsrisiko verringern: So ist die Außenluftzufuhr durch Anpassung der Betriebsparameter weitestgehend zu erhöhen, idealerweise mit 100 Prozent Außenluft. Außerdem können die vorgesehenen regelmäßigen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten wie etwa Filterwechsel helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Des Weiteren kann auch eine Aufrüstung von RLT-Anlagen sinnvoll sein, wie beispielsweise durch Einbau höherer Filterklassen. Mobile Luftreiniger mit wirksamen Methoden können kurzfristig als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein, wenn keine andere Möglichkeit zur Verfügung steht. Sie erfordern einen sachgerechten Einsatz, können jedoch ausreichende Lüftungsmaßnahmen nicht ersetzen.

In der Praxis sind Lüftungskonzepte, Anlagentechnik und Betriebsweisen sehr verschieden und richten sich an individuellen Anforderungen aus. Zwar ist eine übergreifende Konkretisierung nur eingeschränkt möglich, jedoch gibt der baua: Fokus hierzu grundsätzliche Handlungsempfehlungen. Differenzierte branchenspezifische Beschreibungen durch Unfallversicherungsträger und weitere Beteiligte können hier zusätzliche Unterstützung geben.

Erste Erkenntnisse zur Lüftung als Schutzmaßnahme flossen in die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ein. Zur Aufarbeitung des Themengebietes wurde unter Federführung der BAuA, begleitet durch das Bundesarbeitsministerium, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundeskanzleramt ein Expertenaustausch durchgeführt. Die Empfehlung der Bundesregierung „Infektionsschutzgerechtes Lüften“ fasst dessen Erkenntnisse zusammen. Der baua: Fokus greift die in diesem Zusammenhang relevanten Leitfragen auf, erläutert Hintergründe und Zusammenhänge und gibt zudem Hinweise auf geeignete Maßnahmen zum Infektionsschutz durch sachgerechtes Lüften.

baua: Fokus „Infektionsschutzgerechtes Lüften – Hinweise und Maßnahmen in Zeiten der SARS-CoV-2-Epidemie“; Stefan Voß, Annina Gritzki, Kersten Bux; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020; 21 Seiten; DOI: 10.21934/baua:fokus20200918. Den baua: Fokus gibt es als PDF-Dokument im Internetangebot der BAuA unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fokus/Lueftung.html
BAuA
Das sagt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) über sich selbst: Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
01.10.2020; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 24.09.2020, mit dem Titel „Neue Allgemein­verfügung zu Hände­desinfektions­mitteln“; https://www.baua.de/DE/Services/Presse/Pressemitteilungen/2020/09/pm036-20.html

Weitere Aspekte, die aktuell rund um SARS-CoV-2 diskutiert werden

  • Gesundheitswesen
  • Homeoffice
  • ÖPNV
  • Politiker (Kommune, Land, Bund)
  • Soziale Distanz
  • Untersuchungen
  • Maskenpflicht
  • Digitale Sprechstunde

Digitalisierung, Cybercrime

Langzeitarchivierung mit System

c't erklärt die Langzeitarchivierung mit System. Cover-Abbildung: Heise Gruppe GmbH & Co. KG frg/ct. WIESBADEN/HANNOVER. 9. Oktober 2020 – Wer seine wichtigen Dokumente, Urlaubserinnerungen, Familienfotos etc. lange aufbewahren möchte, braucht nicht nur die richtigen Medien, sondern auch eine Strategie für die Langzeitarchivierung. Europas größtes IT- und Tech-Magazin c’t zeigt in Ausgabe 22/2020 von Samstag, dem 10. Oktober 2020, wie man digitale Schätze auch für mehrere Jahrzehnte sicher konserviert.

Lieferscheine, Rechnungen, Bewerbungsunterlagen, Familienfotos, Protokolle, Abrechnungen, Arbeitszeugnisse, Arztbefunde, Korrespondenz mit Behörden, Versicherungen, Werkstätten, Vermietern, Hausverwaltungen: Viele Dokumente existieren nur noch digital. „Doch vielen Anwendern ist gar nicht bewusst, dass auch digitale Daten verloren gehen können“, erklärt c’t-Redakteur Christof Windeck, „sei es durch den Defekt einer Festplatte oder die Alterung einer DVD.“ Daher sollte die Langzeittauglichkeit des Speichermediums bedacht werden. „Festplatten, die in einwandfreiem Zustand eingelagert werden, lassen sich nach fünf Jahren Lagerzeit mit hoher Sicherheit auslesen“, versichert Windeck. „Wahrscheinlich funktionieren die meisten Exemplare erheblich länger.“ Der Experte rät dazu, das Archiv nach spätestens zehn Jahren auf frische Datenträger zu kopieren.

Selbst gebrannte Blu-ray-Discs und DVDs sind als Langzeitarchiv nicht geeignet, weil sie sich in ein paar Jahrzehnten wahrscheinlich nicht mehr lesen lassen. Die M-Disc hingegen soll 1.000 Jahre halten – verspricht zumindest der Hersteller. Ob dann noch passende Laufwerke, Anschlüsse und Betriebssysteme verfügbar sind, ist eine andere Frage. Daher taugt die M-Disc nach Ansicht der c’t-Experten nur als Zusatzversicherung. Auch Cloudstorage kann eine Archivierungsstrategie sinnvoll ergänzen.

Dateien müssen in schlau gewählten Formaten abgespeichert sein, wenn sie nach 30 Jahren noch nützlich sein sollen. Darüber hinaus ist es hilfreich, auch Programme mit ins Archiv zu packen, welche die konservierten Dateien lesen und anzeigen können. Für fast alle elektronischen Daten, die ausgedruckt werden könnten – also Briefe, Diplomarbeit, Excel-Tabellen, gescannte Dokumente – bietet sich das zur Archivierung gedachte PDF-Format PDF/A an. „Es hat eine offengelegte Spezifikation und ist weit verbreitet, was die Chancen erhöht, dass es in vielen Jahren noch lesbar sein wird“, so Windeck. Bei Multimediadaten ist es schwieriger, das optimale Dateiformat zu wählen, denn gerade bei Video gibt es häufiger Neuerungen. Glücklicherweise gibt es Open-Source-Software wie den VLC Player des VideoLAN-Projekts, den man im Quellcode herunterladen und ebenfalls archivieren kann.
26.10.2020; Heise-Medien; in: Pressemitteilung, von Freitag, 09.10.2020, mit dem Titel „Daten für immer Speichern:
Langzeitarchivierung mit System“; https://www.heise-gruppe.de/presse/Daten-fuer-immer-Speichern-4924399.html
Cover-Abbildung: Heise Gruppe GmbH & Co. KG

Gegen den Abmahnwahn

Der Abmahnmissbrauch soll eingedämmt werden. Foto: Peter Gaß frg/bmjv. WIESBADEN/BERLIN. 1. Oktober 2020 – Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag, dem 10. September 2020, in zweiter und dritter Lesung den vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des fairen Wettbewerbs beschlossen.

Das Gesetz enthält ein umfassendes Paket an Maßnahmen, das zu einer erheblichen Eindämmung des Abmahnmissbrauchs führen wird und damit insbesondere Selbständige sowie kleinere und mittlere Unternehmen vor den Folgen solcher Abmahnungen schützen wird. Er beruht sowohl auf einem Auftrag im Koalitionsvertrag sowie auch auf einem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 14. Juni 2018. Das Gesetz ergänzt darüber hinaus das Designgesetz um eine sogenannte Reparaturklausel, die den Markt für sichtbare Ersatzteile für den Wettbewerb öffnet.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärt dazu

„Der Missbrauch von Abmahnungen schadet dem Wettbewerb und vor allem Selbstständigen und kleinen und mittleren Unternehmen. Durch den nun beschlossenen Gesetzentwurf entziehen wir diesem Geschäftsmodell die Grundlage. Wir beseitigen finanzielle Fehlanreize: Mitbewerber können keine Kostenerstattung verlangen für Abmahnungen wegen Verstößen gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im Internet oder wegen Datenschutzverstößen von Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Außerdem stärken wir diejenigen, die sich gegen missbräuchliche Abmahnungen wehren. Abmahner dürfen sich bei Rechtsverletzungen im Internet nicht länger aussuchen, vor welchem Gericht sie klagen. Betroffene können in Zukunft missbräuchliche Abmahnungen leichter darlegen und bekommen zudem einen Gegenanspruch auf Ersatz der Kosten für die erforderliche Rechtsverteidigung. All das kommt den Abgemahnten zu Gute. Daneben sorgen wir mit einer Gesetzesänderung für mehr Wettbewerb und niedrigere Preise auf dem Ersatzteilmarkt. Autofahrerinnen und Autofahrer brauchen preiswertere Alternativen zu den Ersatzteilen der großen Automobilhersteller. Durch unsere Neuregelung können sie ihr Auto in Zukunft günstiger reparieren und länger nutzen.“

Kernpunkte gegen Abmahnmissbrauch

Das Gesetz enthält Maßnahmen zur Verhinderung des Abmahnmissbrauchs. Dies betrifft insbesondere folgende Kernpunkte:

  • Finanzielle Anreize für Abmahner verringern
    Abmahnungen sollen zu einem rechtstreuen Wettbewerb beitragen und nicht zur Generierung von Anwaltsgebühren und Vertragsstrafen missbraucht werden. Die Verringerung finanzieller Anreize ist daher ein wirksames Mittel, um missbräuchliche Abmahnungen einzudämmen. Zu diesem Zweck sollen Mitbewerber bei Verstößen gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im Internet oder bei Verstößen von Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern gegen Datenschutzrecht kein Anspruch auf Kostenerstattung für die Abmahnung erhalten. In diesen Fällen wird bei einer erstmaligen Abmahnung auch die Höhe einer Vertragsstrafe begrenzt.
  • Voraussetzungen für die Anspruchsbefugnis der Abmahner erhöhen
    Wettbewerbsverhältnisse sollen nicht bewusst geschaffen werden, um Einnahmen durch Abmahnungen zu ermöglichen. Mitbewerber können Unterlassungsansprüche daher in Zukunft nur noch geltend machen, wenn sie in nicht unerheblichem Maße und nicht nur gelegentlich Waren oder Dienstleistungen vertreiben oder nachfragen. Online-Shops mit Fantasieangeboten werden damit ebenso ausgeschlossen wie Mitbewerber, die bereits insolvent sind und gar nicht mehr am Wettbewerb teilnehmen.

    Auch unseriösen Wirtschaftsverbänden, die zur Erzielung von Einnahmen aus Abmahnungen gegründet werden, wird die Geschäftsgrundlage entzogen. Anspruchsberechtigt sind nur noch Wirtschaftsverbände, die sich – nach Erfüllung bestimmter Anforderungen – auf einer Liste qualifizierter Wirtschaftsverbände eintragen lassen. Die Erfüllung der Anforderungen durch die Wirtschaftsverbände wird durch das Bundesamt für Justiz regelmäßig überprüft.

  • Gegenansprüche des Abgemahnten erleichtern
    Die Betroffenen können missbräuchliche Abmahnungen in Zukunft durch die Schaffung mehrerer Regelbeispiele für missbräuchliche Abmahnungen leichter darlegen. Hierzu zählt die massenhafte Versendung von Abmahnungen durch Mitbewerber genauso wie Fälle, in denen eine offensichtlich überhöhte Vertragsstrafe verlangt wird oder Mitbewerber einen unangemessen hohen Gegenstandswert ansetzen. Wer zu Unrecht abgemahnt wird, erhält außerdem einen Gegenanspruch auf Ersatz der Kosten für die erforderliche Rechtsverteidigung. Abmahner müssen die Berechtigung einer Abmahnung daher in jedem Einzelfall sorgfältig prüfen, um finanzielle Risiken zu vermeiden.
  • Wahl des Gerichtsstands einschränken
    Der Gerichtsstand der unerlaubten Handlung (sog. fliegender Gerichtsstand) ermöglicht dem Kläger bei nicht ortsgebundenen Rechtsverletzungen, sich das für sie passende Gericht auszusuchen. In Zukunft gilt bei Rechtsverletzungen im Internet und im elektronischen Geschäftsverkehr einheitlich der allgemeine Gerichtsstand des Beklagten (des zuvor Abgemahnten).

01.10.2020; Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 10.09.2020, mit dem Titel „Abmahnmissbrauch effektiv verhindern“; https://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/091020_Staerkung_fairer_Wettbewerb.html

ix: Bitte auf Zoom und Paypal verzichten

ix rät auf Zoom und Paypal zu verzichten. Cover-Abbildung: Heise Gruppe GmbH & Co. KG. frg/ix. WIESBADEN/HANNOVER. 1. Oktober 2020 – Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Datenschutzabkommen EU-US Privacy Shield am 16. Juli 2020 für ungültig erklärt hat, besteht dringender Handlungsbedarf für Unternehmen. Sie sollten jegliche genutzte Software und Dienste unter die Lupe nehmen und technische oder juristische Alternativen suchen, rät das IT-Profimagazin iX in seiner Ausgabe 9/20.

Die Entscheidung des EuGH stellt jedes Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, die es unverzüglich angehen sollte. Denn bei Ignoranz droht nach der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ein Bußgeld von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Allerdings sind die bestehenden Handlungsoptionen sehr eingeschränkt. In einigen Fällen, vor allem im Bereich Onlinewerbung und Tracking, kann die Nutzung von Einwilligungen eine Option sein. In vielen Fällen bleibt nur die Nutzung von Standardvertragsklauseln, bei denen durch technische Maßnahmen etwa der Verschlüsselung das Risiko eines Zugriffs durch US-Behörden zumindest eingeschränkt wird.

Die Aufarbeitung des EuGH-Urteils sollte zunächst mit einer internen Bestandsaufnahme beginnen. Datenschutzaffine Unternehmen können auf ihr bereits bestehendes Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten zurückgreifen. Ziel sollte es dabei sein, alle Prozesse zu identifizieren, bei denen personenbezogene Daten von Kunden, aber auch von Mitarbeitern direkt oder indirekt über Auftragsverarbeiter oder sonstige Dritte in die USA oder andere Drittstaaten übertragen werden.

Da die meisten US-amerikanischen Techfirmen Niederlassungen in Europa haben und Kundendaten innerhalb der EU speichern, kann ein großer Teil der Services zunächst wie gewohnt weiter genutzt werden, dennoch sollte man die verwendete Software und die Dienste genauer betrachten: „Bei Cloud-Diensten für den Büroalltag raten wir von der Verwendung amerikanischer Anbieter ab und empfehlen die Einrichtung einer firmeneigenen Cloud beispielsweise mit der freien Software NextCloud oder Own Cloud“, sagt Joerg Heidrich, Justiziar bei Heise Medien. „Bei Team-Messengern bieten sich Anbieter wie Rocket-Chat an, das auf eigener Hardware läuft. Auch für das Videokonferenztool Zoom und für den Zahlungsdienst Paypal sollte man auf Alternativen – etwa Klarna, der als schwedischer Anbieter die Daten auf europäischen Serverstandorten speichert – ausweichen.
01.10.2020; Heise-Medien; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 27.08.2020, mit dem Titel „Privacy Shield gekippt: Was Unternehmen jetzt tun müssen“; https://www.heise-gruppe.de/presse/EuGH-Urteil-4880445.html
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Do you speak DS-GVO?

c't erklärt DS-GVO-Begriffe. Cover-Abbildung: Heise Gruppe GmbH & Co. KG. frg/ct. WIESBADEN/HANNOVER. 1. Oktober 2020 – Personenbezogene Daten: Die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) schützt sie, die Wirtschaft möchte möglichst viel Nutzen daraus ziehen. Als Besitzer der Daten stehen wir dazwischen und verstehen meist nur Bahnhof. Europas größtes IT- und Tech-Magazin c’t erklärt in der Ausgabe 18/2020 von Samstag, dem 15. August 2020, die wichtigsten Buzzwords rund um Privacy, Personalisierung und Tracking.

Die zentralen Begriffe rund um den Datenschutz, das Datensammeln und -verwerten zu verstehen ist wichtig, denn täglich verlangen zig Cookie-Banner eine informierte Einwilligung, und es vergeht kaum eine Woche ohne Privacy-Grundsatzdiskussion in den Medien oder vor Gericht.

Zu den personenbezogenen Daten gehören alle Informationen, mit deren Hilfe man eine natürliche Person identifizieren kann oder die sie zumindest identifizierbar machen. Außer Namen, Adresse oder Fotos umfasst der Begriff aber auch Informationen, bei denen man zusätzliche Kenntnisse braucht, um jemanden zu bestimmen – etwa die Telefonnummer, das Autokennzeichen, die Matrikelnummer oder die IP-Adresse.

Unternehmen müssen bei der Datennutzung die Zweckbindung beachten. Sie ist einer von mehreren elementaren Grundsätzen des Datenschutzes. „Personenbezogene Daten dürfen nur für den Zweck verwendet werden, zu dem sie ursprünglich erhoben wurden“, erläutert c’t-Redakteurin Andrea Trinkwalder.

Außerdem zählen die Erforderlichkeit und die Datensparsamkeit zu den wichtigsten Eckpfeilern der DS-GVO. „Das Sammeln von ‚nice-to-have-Daten‘ ist damit ausgeschlossen“, ergänzt Trinkwalder. „Für den Versand eines E-Mail-Newsletters reicht die Abfrage der Mailadresse. Postanschrift, Telefonnummer oder Geburtsdatum darf der Anbieter allenfalls freiwillig abfragen.“

Die Datensparsamkeit ist eng mit dem Recht auf Vergessen verbunden. Personen dürfen von jeder Stelle, die Informationen über sie speichert, die unverzügliche Löschung ihrer Daten verlangen. Dieser Anspruch besteht allerdings nur dann, wenn der Anbieter keine Rechtsgrundlage zum Vorhalten der betreffenden Daten hat oder diese nach der Erhebung weggefallen ist. Was genau Datenkonzerne oder der Supermarkt von nebenan so im Laufe der Zeit gesammelt haben, erfahren Betroffene dank des Auskunftsrechts, das jeder gegenüber dem Verarbeiter seiner Daten geltend machen kann. Dieses ist auch Teil der Anforderungen an die Transparenz der Datenhaltung. Konkret kann jeder Bürger nicht nur Auskunft über die von ihm gespeicherten Informationen verlangen, sondern auch über deren Weitergabe oder geplante Löschung.
01.10.2020; Heise-Medien; in: Pressemitteilung, von Montag, 17.08.2020, mit dem Titel „Privacy-Kauderwelsch verstehen“; https://www.heise-gruppe.de/presse/DSGVO-einfach-erklaert-4871416.html
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Internetnutzung bleibt bei Kindern nicht ohne Folgen

Die Internetnutzung hat viele Folgen für Kinder. Foto: Peter Gaß frg/fzm. WIESBADEN/STUTTGART. 16. September 2020 – Der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu. So zeigen veröffentlichte Zwischenergebnisse einer DAK-Studie, dass die Online-Spielzeit unter den zehn- bis 17-Jährigen im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 werktags um bis zu 75 Prozent angestiegen ist. Tablets und Smartphones gehören in vielen Haushalten zur Grundausstattung. Dadurch hat auch der Mediengebrauch von (Klein-)Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Mit den möglichen Folgen, die eine zu frühe oder zu intensive Mediennutzung auf die Entwicklung von Heranwachsenden haben kann, beschäftigen sich Experten in der Ausgabe 4 (August 2020) der Fachzeitschrift „Kinder- und Jugendmedizin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2020).

Medien und frühe Kindheitsentwicklung

Der Einsatz elektronischer Medien in der frühen Kindheit wird häufig kontrovers diskutiert. Professor Dr. Volker Mall stellt in seinem Artikel Studien vor, die sich mit möglichen Auswirkungen einer frühen Medienexposition auf die Entwicklung von Kleinkindern beschäftigen. Dabei werden sowohl Unterhaltungsmedien als auch Medien mit „pädagogisch wertvollem“ Angebot kritisch hinterfragt. Professor Mall ist Lehrstuhlinhaber für Sozialpädiatrie an der Technischen Universität München (TUM) und Ärztlicher Direktor des „kbo-Kinderzentrum München“. Die Einrichtung ist spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen.

Medienprävention im frühen Kindesalter aus entwicklungsneurologischer Sicht

Dr. Ulrike Gaiser ist Kinderärztin und an der Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, Kinderzentrum Maulbronn, tätig. Sie berichtet über die Möglichkeiten, vor allem aber die Risiken einer hohen Mediennutzung bei Kindern mit Beeinträchtigungen und Entwicklungsstörungen. Sie gibt viele praxisrelevante Tipps.

Internetbezogene Störungen bei Jugendlichen

Jennifer Wernicke und Professor Dr. Christian Montag vom Institut für Psychologie und Pädagogik an der Universität Ulm widmen ihren Beitrag internetbezogenen Störungen. Dabei zeigen sie sowohl Risiko- als auch Schutzfaktoren auf und beschreiben mögliche Interventionsmaßnahmen.

Nutzung von sog. sozialen Medien durch Kinder und Jugendliche

Der Beitrag von Dr. Kai W. Müller von der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Mainz befasst sich spezifisch mit dem Thema der sogenannten soziale Medien. Er erläutert, wann der Umgang mit sogenannten sozialen Medien als bedenklich eingeschätzt werden muss und wie in diesem Falle reagiert werden kann.

Cybermobbing

Dr. Frank W. Paulus, Professor Dr. Eva Möhler, Dr. Susanne Ohmann und Dr. Christian Popow (Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitäten in Homburg/Saar, Heidelberg und Wien) befassen sich in ihrem Beitrag mit dem vor allem im Jugendalter relevanten Thema Cybermobbing. Es werden verschiedene Formen, Risikofaktoren sowie mögliche Folgen vorgestellt.

Digitale Gesundheitsangebote für Kinder

Abschließend rückt Dr. Claudia Lampert vom Leibniz-Institut für Medienforschung│Hans-Bredow-Institut Hamburg digitale Gesundheitsangebote für Kinder in den Fokus. Dabei zeigt sie sowohl Chancen als auch mögliche Risiken von Fitnesstrackern, (Serious) Games for Health und Gesundheits-Apps auf.
Kinder- und Jugendmedizin 2020, Medien und Kindergesundheit, 20 (4); August 2020
23.10.2020; Thieme-Verlag; in: Pressemitteilung, von Mittwoch, 16.09.2020, mit dem Titel „Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen: Ab wann vertretbar und wie viel ist gesund?“; https://www.thieme.de/de/presse/medien-und-kindergesundheit-159718.htm

Energiewirtschaft

Bioabfall als Baustein der Energiewende

Roll sieht Potential in der Bioabfallvergärung. Foto: Peter Gaß frg/mvv. WIESBADEN/DRESDEN. 1. Oktober 2020 – Als Baustein der Energiewende und Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft sieht der Technikvorstand des Mannheimer Energieunternehmens MVV, Dr. Hansjörg Roll, viel Potenzial in der Bioabfallvergärung. Zum Auftakt einer landesweiten Biokampagne im Freistaat Sachsen mit dem sächsischen Umweltminister Wolfram Günther betonte Dr. Roll am Mittwoch, dem 9. September 2020 in Dresden, dass das dabei erzeugte und als Biomethan ins Erdgasnetz eingespeiste Biogas vielseitig und flexibel in der Strom- und Wärmeversorgung sowie als ökologischer Treibstoff für Fahrzeuge genutzt werden könne. Biogas habe als erneuerbare Energie den Vorteil, sowohl unabhängig vom Wetter verfügbar als auch ohne zusätzliche Infrastruktur speicherbar zu sein.

„Selbst am Lebensende der in den Haushalten eingesammelten Bioabfälle“, so Dr. Roll, „bleibt mit ihrer Vergärung nichts, aber auch gar nichts, ungenutzt“. Nichts gehe der Umwelt verloren, das Biogas werde energetisch genutzt, die Gärreste stofflich als wertvoller Kompost.

MVV betreibt in Dresden seit dem Jahr 2018 eine im Jahr 2017 gebaute Bioabfallvergärungsanlage mit einer Kapazität von rund 31.000 Tonnen Bioabfällen pro Jahr. MVV arbeitet bundesweit an weiteren Bioabfallvergärungsprojekten, aktuell in Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt.
01.10.2020; MVV Energie AG; in: Pressemitteilung, von Mittwoch, 09.09.2020, mit dem Titel „Bioabfall als Baustein der Energiewende“; https://www.mvv.de/de/journalisten/pressemitteilungen/detail/bioabfall-als-baustein-der-energiewende

juwi mit neuem Führungstrio

juwi mit neuem Führungstrio. Foto: Peter Gaß frg/mvv. WIESBADEN/MANNHEIM/WÖRRSTADT. 1. Oktober 2020 – Mit Beginn des Herbstes 2020 bekommt die juwi AG aus dem rheinhessischen Wörrstadt ein neues Führungstrio für das deutschlandweite Wind- und Solarenergiegeschäft. Das Unternehmen, das im Jahr 2021 sein 25-jähriges Bestehen feiern wird, stellt damit die Weichen, um weiterhin zu den führenden Projektentwicklern und Betriebsführern in Deutschland zu gehören. Insbesondere die Chancen der Märkte jenseits der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) rücken in den Fokus und sollen systematisch und erfolgreich erschlossen werden.

Projektentwicklung der juwi-Gruppe mit neuer Doppelspitze. Christian Arnold und Björn Broda leiten das deutsche Wind- und Solargeschäft – von der Standortsuche bis zur Inbetriebnahme.

Der Geschäftsbereich „Erneuerbare Energien Deutschland“ (EED) der juwi AG bekam zum 1. Oktober 2020 eine neue Leitung. Christian Arnold und Björn Broda leiten als Doppelspitze die EED. Die EED ist innerhalb der juwi-Gruppe in Deutschland für das komplette Projektentwicklungsgeschäft Wind- und Solarenergie zuständig, inklusive des Repowerings sowie des Zukunftsmarktes der direkten Stromversorgung über sogenannte „Power-Purchase-Agreements“ (PPA). Der bisherige Leiter der EED, Meinrad Wagenschwanz, hat das Unternehmen aus privaten Gründen zum Ende des Geschäftsjahres am 30.09.2020 in den Ruhestand verlassen.

Christian Arnold, bisher Geschäftsführer der juwi Operations & Maintenance GmbH, übernimmt schwerpunktmäßig die Bereiche Site Assessment, Projektentwicklung Wind, Realisierung, After Sales und Arbeitssicherheit. Björn Broda, bisher Bereichsleiter Unternehmensstrategie, Kommunikation und Public Affairs bei der juwi AG, verantwortet künftig die Bereiche Vertrieb, Flächensicherung, Projektenwicklung Photovoltaik, Unternehmensentwicklung und -steuerung, Projektfinanzierung sowie Finanzen & Controlling.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Christian Arnold und Björn Broda zwei interne Kandidaten gefunden haben, die die juwi-Strukturen bereits seit einigen Jahren gut kennen. Beide bringen zudem dank ihrer langjährigen Berufserfahrung in der Energiebranche auch einen guten Blick für die künftigen marktspezifischen Herausforderungen mit“, freut sich juwi-Vorstand Michael Class über die neue Doppelspitze. „Zu unserer großen Zufriedenheit sehen wir nicht zuletzt auch dank des Wirkens von Meinrad Wagenschwanz die EED hervorragend für die Zukunft aufgestellt“, betont juwi-Vorstand Class.

Zu den vielfältigen neuen marktseitigen Herausforderungen zählen unter anderem das weitere Hineinwachsen des Unternehmens und der gesamten Branche in die etablierte Energiewirtschaft und in eine Post-EEG-Zeit sowie das weitere Wachstum der juwi-Gruppe im Bereich Photovoltaik. „Wir freuen uns sehr auf diese Aufgaben und die Zusammenarbeit mit unseren exzellent aufgestellten Expertenteams in der EED“, betonen Christian Arnold und Björn Broda.

juwi Operations & Maintenance GmbH mit neuem Geschäftsführer. Jörg Blumenberg übernahm Leitung der Betriebsführungsgesellschaft.
Bereits zum 1. September 2020 hat Jörg Blumenberg die Geschäftsführung der juwi Operations & Maintenance (O&M) übernommen. Er folgt auf Christian Arnold, der seit dem 1. Oktober 2020 innerhalb der juwi-Gruppe zusammen mit Björn Broda den Geschäftsbereich „Erneuerbare Energien Deutschland“ (EED) leitet.

Jörg Blumenberg war seit 2007 in verschiedenen Positionen der erneuerbaren Energien innerhalb der Siemens-Gruppe beschäftigt. Zuletzt war der studierte Wirtschaftsingenieur als Director of Global Construction, Onshore bei Siemens Gamesa in Hamburg angestellt. Jörg Blumenberg hat an der Universität Flensburg und der University of Southern Denmark studiert und bringt umfangreiche kaufmännische und vor allem technische Expertise für die künftigen Aufgaben der Betriebsführungsgesellschaft der juwi-Gruppe mit. „Ich freue mich sehr, das Ruder bei der juwi O&M zu übernehmen. Gemeinsam mit meinem Team möchte ich dafür sorgen, dass wir unsere langjährigen Kundenbeziehungen weiter stärken sowie neue Kunden dazugewinnen und so zum Erfolg der juwi-Gruppe beitragen“, blickt Blumenberg auf sein Aufgabenfeld. Lorenz Heinen wird dem Geschäftsführer als kaufmännischer Leiter der O&M weiterhin zur Seite stehen.

„Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Windenergie-Experten aus Norddeutschland“, betont juwi-Vorstand Michael Class auch im Namen seiner Vorstandskollegen Dr. Stephan Küßner und Stephan Hansen. „Es zeigt uns auch, dass die Region Rheinhessen am Rande des Rhein-Main-Gebiets bundesweit eine große Strahlkraft hat und juwi als Arbeitgeber auch außerhalb der Region sehr attraktiv ist.“

juwi-Gruppe
Das sagt die Die juwi-Gruppe über sich selbst: Die juwi-Gruppe zählt zu den führenden Spezialisten für erneuerbare Energien. Der Erneuerbare-Energien-Pionier bietet die komplette Projektentwicklung sowie weitere Dienstleistungen rund um den Bau und die Betriebsführung erneuerbarer Energieanlagen an. Zu den Geschäftsfeldern der juwi-Gruppe zählen vor allem Projekte mit Wind- und Solarenergie. Gegründet wurde juwi 1996 in Rheinland-Pfalz und hat heute seinen Firmensitz in Wörrstadt bei Mainz. Seit Ende 2014 ist die Mannheimer MVV Energie AG Partner und Eigentümer der juwi-Gruppe. Die juwi-Gruppe beschäftigt weltweit rund 850 Mitarbeiter und ist auf allen Kontinenten mit Projekten und Niederlassungen präsent. Bislang hat juwi im Windbereich weltweit mehr als 1.000 Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 2.400 Megawatt an rund 180 Standorten realisiert; im Solarsegment sind es mehr als 1.700 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 2.700 Megawatt. Diese Energieanlagen erzeugen zusammen jährlich mehr als 8 Milliarden Kilowattstunden Strom; das entspricht in Deutschland dem Jahresbedarf von rund 2,6 Millionen Haushalten. Für die Realisierung der Energieprojekte hat juwi in den vergangenen 20 Jahren insgesamt ein Investitionsvolumen von rund 9 Milliarden Euro initiiert.
01.10.2020; MVV Energie AG; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 10.09.2020, mit dem Titel „Neues Führungstrio für die operativen Gesellschaften der juwi-Gruppe in Deutschland“; https://www.mvv.de/de/journalisten/pressemitteilungen/detail/neues-fuehrungstrio-fuer-die-operativen-gesellschaften-der-juwi-gruppe-in-deutschland

Weitere Aspekte, die rund um Energiewirtschaft aktuell diskutiert werden

  • EEG 2021

Finanzen

Wohnungsbauprämie ab 2021: 70 Euro

Wohnungsbauprämie ab 2021: 70 Euro. Foto: Peter Gaß frg/bsh. WIESBADEN/SCHwÄBISCH HALL. 5. Oktober 2020 – Beitrag folgt.
14.10.2020; Bausparkasse Schwäbisch Hall; in: Pressemitteilung, von Montag, 05.10.2020, mit dem Titel „Höhere Wohnungsbauprämie ab 2021“; https://newsroom.schwaebisch-hall.de/presseinformationen/hoehere-wohnungsbaupraemie-ab-2021/

Zwischen 60 und 65 Jahre: Jetzt eine BahnCard kaufen

Zwischen 60 und 65 Jahre: Jetzt eine BahnCard kaufen. Foto: Peter Gaß frg/db. WIESBADEN/BERLIN. 14. Oktober 2020 – Beitrag folgt.

14.10.2020; Deutsche Bahn AG; in: Pressemitteilung, von Dienstag, 06.10.2020, mit dem Titel „Preise im Fernverkehr steigen zum Fahrplanwechsel um durchschnittlich ein Prozent “; https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/Preise-im-Fernverkehr-steigen-zum-Fahrplanwechsel-um-durchschnittlich-ein-Prozent–5659938?contentId=1204030

Gesellschaft

Schulen resignieren vor der Gewalt durch Schüler

Schulen resignieren vor der Gewalt durch Schüler. Foto: Peter Gaß frg/vbe. WIESBADEN. 1. Oktober 2020 – Das Thema Gewalt an Schulen ist schon sehr alt. In den Schulen, die der Autor besucht in den 1970er und 1980er Jahren hat, war sie omnipräsent – und das in einem Ort mit damals 6.000 Einwohnern. Schüler wurden verprügelt, Fahrräder wurden beschädigt, ein Gang auf die Toilette war teilweise ohne Begleitung von Lehrkräften kaum noch möglich. Doch niemand hat etwas dagegen getan. Für die Lehrer war es kein Thema. Der Schulleiter hat als Politiker das Thema unter der Decke gehalten. Schüler haben damals auch Lehrer bedroht – offen vor versammelter Klasse. Die Polizei war nicht zuständig. Auch in Wiesbaden berichten Menschen, in den 1970er und 1980er Jahren vieles dafür getan haben, dass sie ja nicht während der Schulzeit auf die Toilette müssen. Das ist Jahrzehnte her. Es wurde sicherlich nicht besser.

Abi-Feten sind oft nicht harmlos

Alle Jahre wieder machen die ausufernden Abi-Feten und sogenannte Abi-Streiche mal kurz von sich reden. Doch dann beruhigt sich die Lage auch wieder.

Zu Beginn der sogeannten Corona-Pandemie flackerte das Thema mal wieder kurz auf. Es ging um das Thema Händehygiene. Eltern beschwerte sich, dass in es Schulen in Frankfurt am Main keine Möglichkeit gäbe, sich mit Wasser und Seife die Hände zu waschen. Ein Mutiger hat sich aus der Deckung gewagt und berichtet, was mit Wasser, Seife und Einmalhandtüchern passiert. Die Einmalhandtücher werden mit Seife getränkt und dann von den Schülern an die Decke geworfen. Der Schüler, dessen Wurfmaterial am längsten oben bleibt, hat gewonnen. Man könne also so viel Seife auffüllen, wie man wolle, nach kurzer Zeit sei sie wieder leer. Dann verstummte die Diskussion wieder. Jetzt weist der Verband Bildung und Erziehung e.V. auf zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte hin. Doch was fordert er? Er fordert weder Saktionen gegen gewalttätige Schüler noch gegen Eltern, die diese Schüler unterdecken. Statt dessen fordert er mehr Statistiken.

Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zeigt, dass die Gewalt gegen Lehrkräfte seit dem Jahr 2018 an allen Schulformen deutlich zugenommen hat. Zudem werden die Möglichkeiten der Schulleitungen, die Lehrkräfte ausreichend zu unterstützen, geringer eingeschätzt. Befragt wurden 1.302 Schulleitungen.

„Es ist erschütternd, wie stark die Zahlen gestiegen sind. Zumal die Kultusministerien öffentlich stets versichern, dass es sich nur um Einzelfälle handelt. So wird auch begründet, weshalb teilweise keine Statistiken geführt werden. Die Augen zu verschließen, wird das Problem aber nicht beseitigen. Deshalb lässt sich der VBE nicht von gefühlten Wahrheiten beeindrucken, sondern befragt diejenigen, die es wissen müssen“, erläutert der VBE Bundesvorsitzende, Udo Beckmann.

Auftreten von Gewalt

Die Umfrage zeigt: 61 Prozent der Schulleitungen geben an, dass es in den letzten fünf Jahren an ihrer Schule Fälle gab, in denen Lehrkräfte direkte psychische Gewalt erlebten. 2018 sagten dies 48 Prozent. Eine ähnliche starke Steigung gibt es auch bei der psychischen Gewalt über das Internet. Gaben 2018 noch 20 Prozent der Schulleitungen an, dass diese aufgetreten sei, berichten es nun 32 Prozent. Auf diesem Niveau liegt auch das Erleben körperlicher Gewalt. 34 Prozent der Schulleitungen geben an, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Lehrkräfte gab, die dies erlebten. 2018 waren es noch 26 Prozent.

Schulformabhängig sind signifikante Abweichungen von den Durchschnittswerten zu beobachten. Direkte psychische Gewalt tritt deutlich häufiger an Sekundarschulen, außer dem Gymnasium, auf (73 Prozent statt 61 Prozent). Psychische Gewalt über das Internet tritt häufiger nach der Grundschule auf (insgesamt: 32 Prozent, Sekundarschulen: 52 Prozent, Gymnasium: 46 Prozent). Körperliche Gewalt hingegen tritt häufiger in der Grundschule auf (40 Prozent statt 34 Prozent). „Jüngere Kinder können ihre Emotionen noch nicht so gut kontrollieren und wissen sich manchmal nicht anders zu helfen. Trotzdem ist das eine bedenkliche Zahl, die in den Kultusministerien dringend zu der Frage führen sollte, wie die Lehrkraft unterstützt werden kann. Wir fordern die Einsetzung von multiprofessionellen Teams an allen Schulen, damit auftretende Konflikte mit Fachkräften aus der Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Psychologie schnell und vertrauensvoll bearbeitet werden können“, erklärt Beckmann.

Unterstützung der Lehrkräfte

Sorgen macht auch, dass fast jede dritte Schulleitung, die 2018 noch angab, die Kollegen, die Gewaltvorfälle erlebt haben, ausreichend unterstützen zu können, dies nicht mehr sagt. So geben dies 2020 nur noch 56 Prozent an, 2018 waren es noch 87 Prozent der Befragten. Beckmann kommentiert: „Wenn die Gewaltvorfälle stark steigen, bleibt die Unterstützung auf der Strecke. Das ist nicht die Schuld der Schulleitung, sondern eine Frage endlicher Ressourcen. Müsste nicht jede administrative Tätigkeit von ihr ausgeführt werden, hätte sie auch mehr Kapazitäten. Zudem braucht es professionelle Unterstützung durch dafür ausgebildetes Personal.“

Die Unterstützung wird insbesondere dann schwer, wenn sich Eltern nicht kooperationswillig zeigen (69 Prozent; 2018: 59 Prozent) und betroffene Schüler uneinsichtig sind (63 Prozent). Zudem kritisiert ein Drittel der befragten Schulleitungen, dass sich das Schulministerium des Themas nicht ausreichend angenommen hat. Ein Viertel gibt an, dass die Meldung von Vorfällen zu bürokratisch und zeitaufwendig ist.

Tabu gebrochen!

Als der VBE die Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte“ im Jahr 2016 das erste Mal unter Lehrkräften durchführte, gaben 57 Prozent der Befragten an, dass sie das als Tabu-Thema empfinden. Im Jahr 2018 antworteten schon weniger so, nämlich 39 Prozent der befragten Schulleitungen. In der aktuellen Umfrage gaben dies nur noch 30 Prozent der Schulleitungen an. Beeindruckend: Der Wert ist insbesondere bei jüngeren Schulleitungen unter 40 deutlich gesunken (2018: 53 Prozent, 2020: 30 Prozent). Beckmann kommentiert: „Das ist der Erfolg des VBE. Wir sind die einzige Lehrkräftevertretung, die sich dieses Themas mit Umfragen annimmt und damit auch auf Bundestags- und Landtagsabgeordnete zugeht. Außerdem haben wir die Ergebnisse nicht nur öffentlich, sondern auch den Kultusministerien zugänglich gemacht und uns mit konkreten Forderungen an sie gewendet. Diese bleiben aktuell.“

Der VBE fordert weiterhin, bestärkt durch die aktuellen Zahlen:

  • Statistiken müssen geführt und von den Kultusministerien regelmäßig veröffentlicht werden.
  • Lehrkraft und Schulleitung müssen die volle Unterstützung des Dienstherrn erhalten. Dazu zählt auch die unbürokratische Meldung und schnelle Hilfe nach einem Vorfall.
  • Es braucht massive Investitionen in die Bildungsinfrastruktur, damit Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams mit Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und weiteren Fachkräften unterstützt werden können und ein Lernumfeld geschaffen werden kann, das nicht durch fehlende Ressourcen und schulbauliche Mängel geprägt ist, sondern individuelle Förderung gewährleistet.
  • Lehrkräfte müssen besser auf den Umgang mit Heterogenität und das Verhalten in Konfliktsituationen vorbereitet werden. Hierfür braucht es ein breites Fortbildungsangebot und mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema bereits in der Lehrkräfteausbildung.

01.10.2020; Verband Bildung und Erziehung (VBE); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 24.09.2020, mit dem Titel „VBE schlägt Alarm wegen zunehmender Gewalt gegen Lehrkräfte“; https://www.vbe.de/presse/pressedienste-2020/vbe-schlaegt-alarm-wegen-zunehmender-gewalt-gegen-lehrkraefte/

Prostituierte mit rumänischer, bulgarischer und ungarischer Staatsangehörigkeit

20% der Prostituierten sind Deutsche. Foto: Peter Gaß frg/destatis. WIESBADEN. 1. Oktober 2020 – Bei der Diskussion um Abstands- und Hygieneregeln wurde der Blick auch immer mal wieder auf die Prostiutierten gelenkt. Es wurden intensiv Agrumente sowohl für, als auch gegen die Öffnung der Bordelle ausgetauscht. Im September 2020 machte ein Frankfurter Laufhaus von sich reden, als es zum Tag der offenen Tür einlud.

Ende des Jahres 2018 – den jüngsten zum Redaktionsschluss vorliegenden Daten – waren bei den Behörden in Deutschland rund 32.800 Prostituierte nach dem Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) gültig angemeldet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hatten 1.600 Prostitutionsgewerbe eine erteilte oder vorläufige Erlaubnis nach dem seit 1. Juli 2017 geltenden Gesetz. Die Ergebnisse basieren teilweise auf noch im Aufbau befindlichen Verwaltungsstrukturen. Dies schränkt die Aussagekraft der Daten ein.

Knapp ein Fünftel der angemeldeten Prostituierten besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit

Von den 32.800 angemeldeten Prostituierten waren 25.000 (76 Prozent) 21 bis 44 Jahre alt. 5.700 (17 Prozent) waren 45 Jahre oder älter und 2.000 (6 Prozent) waren zwischen 18 und 20 Jahren alt.

6.200 Prostituierte (19 Prozent) hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Die drei häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten der Prostituierten waren die rumänische mit 11.400 (35 Prozent aller angemeldeten Prostituierten), die bulgarische mit 3.200 (10 Prozent) und die ungarische mit 2.400 (7 Prozent).

Zum Ende des Jahres 2018 wurden 1.600 Prostitutionsgewerbe aufgrund einer erteilten oder vorläufigen Erlaubnis nach dem ProstSchG betrieben. Bei 1.530 (96 Prozent) der gemeldeten Prostitutionsgewerbe handelte es sich um Prostitutionsstätten (zum Beispiel Bordelle). Auf Prostitutionsvermittlungen, -fahrzeuge und -veranstaltungen entfielen zusammen 70 (4 Prozent) der Erlaubnisse.
Hinweise zur Aussagekraft der Statistik – Verwaltungsstrukturen zum Teil noch im Aufbau
Die Ergebnisse der Statistik nach dem ProstSchG basieren auf den Angaben der zuständigen Behörden und den zugehörigen Verwaltungsvorgängen. Für die Prostituierten besteht laut Gesetz Anmeldepflicht und für die Prostitutionsgewerbe Erlaubnispflicht. Die Statistik wurde im Berichtsjahr 2017 zum ersten Mal durchgeführt. Allerdings war zum Stichtag 31.12.2017 in einigen Bundesländern beziehungsweise Kreisen oder Gemeinden noch keine Anmeldung oder Genehmigung einer Prostitutionstätigkeit oder eines Prostitutionsgewerbes möglich. So waren Ende 2017 bundesweit rund 7 000 Prostituierte bei den Behörden gültig angemeldet. Die Zahl der erlaubten Prostitutionsgewerbe betrug 1 350. Zum Berichtsjahr 2018 wurden erstmals aus allen Bundesländern Verwaltungsvorgänge gemeldet. Dennoch basiert die Statistik zum Jahresende 2018 zum Teil auf noch im Aufbau befindlichen Verwaltungsstrukturen. Dies schränkt die Aussagekraft der Daten ein. Da die Statistik die Verwaltungsvorgänge auf Basis des ProstSchG abbildet, können auch bei späteren Erhebungen keine Angaben über nicht angemeldete Gewerbe und Prostituierte gemacht werden.
01.10.2020; Statistisches Bundesamt (Destatis) Wiesbaden; in: Pressemitteilung Nr. 451, von Dienstag, 26.11.2019, mit dem Titel „Ende 2018 rund 32 800 Prostituierte bei Behörden angemeldet“; https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_451_228.html

Weitere Aspekte, die rund um gesellschaftliche Themen diskutiert werden

  • Sexuelle Belästigung
  • Büroaffaire

Gesundheit

Wie Psyche und Herz zusammenspielen

Ein krankes Herz Menschen in seelische Krisen stürzen. Foto: Peter Gaß frg/tme. WIESBADEN/STUTTGART. 28. Oktober 2020 – Einsamkeit, Depressionen oder belastende Arbeitsbedingungen können das Risiko für eine Herzerkrankung ähnlich stark erhöhen wie Rauchen oder ungesunde Ernährung. Umgekehrt kann ein krankes Herz Menschen in seelische Krisen stürzen. Wie sehr sich Herz und Seele gegenseitig beeinflussen, zeigt das Autorentrio Volker Köllner, Eike Langheim und Judit Kleinschmidt in dem Ratgeber „Mein Herz + meine Seele“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020).

Die Psychokardiologie befasst sich mit dem engen Zusammenspiel zwischen Psyche und Herz. Herzrhythmusstörungen können zum Beispiel bei Betroffenen zu großer Unsicherheit und einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen, auch wenn sie oft gut zu behandeln sind. Umgekehrt können Depressionen, Angsterkrankungen, schlechter Schlaf oder Stress dem Herzen zu schaffen machen. „Wenn wir über Erkrankungen am Herzen sprechen, dann muss gesagt werden, dass wir natürlich Krankheiten diagnostizieren und behandeln müssen. Wir müssen aber auch fragen, warum eine Erkrankung eigentlich entstanden ist und wie eine Behandlung des Menschen in seiner Gesamtheit, also auch mit Blick auf die Psyche, gestaltet werden kann“, so Dr. med. Volker Köllner.

Ein bekanntes Beispiel für diese starke gegenseitige Beeinflussung von Seele und Herz ist das „Broken-Heart-Syndrome“. Es tritt häufig im Zusammenhang mit einer akuten Erhöhung von Stresshormonen auf, wobei die auftretenden Symptome wie Atemnot und ein starkes Engegefühl im Brustkorb denen eines akuten Herzinfarkts gleichen. Auslöser ist häufig eine schwere emotionale Belastungssituation, wie etwa der Tod eines geliebten Menschen oder die Trennung vom Partner. „Nicht selten kommt es zu einer ausgedehnten Störung der herzspitzennahen Anteile der linken Herzkammer mit akuter Herzschwäche. Diese Veränderungen bilden sich jedoch häufig wieder zurück und es gibt keine Veränderungen an den Herzkranzgefäßen“, erläutert Dr. med. Eike Langheim. Er ergänzt: „Die Behandlung der Krankheit selbst ist genauso wichtig wie der Wille des Behandelten zur Stabilisierung der Herzerkrankung und wie die Stabilisierung des psychischen Befindens. In der Psychokardiologie setzen wir daher auf interdisziplinäre Behandlungsverfahren.“ Je nach Situation helfen eine Psychotherapie oder die Anwendung von Entspannungsmethoden, damit es dem Herzen wieder besser geht. Auch die Behandlung durch Medikamente und regelmäßige – individuell auf die Krankheit abgestimmte – sportliche Betätigung helfen Betroffenen, sich wieder besser zu fühlen.

Die Autoren

Die drei Autoren arbeiten gemeinsam im Reha-Zentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund in Teltow an der südlichen Berliner Stadtgrenze. Prof. Dr. med. Volker Köllner ist Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und seit 2015 Chefarzt der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik. Im Reha-Zentrum ist er als ärztlicher Direktor tätig. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Eike Langheim leitet er dort die Abteilung für Psychokardiologie, in der Menschen mit Herzkrankheiten und seelischen Erkrankungen interdisziplinär behandelt werden. Langheim ist Chefarzt der Abteilung Kardiologie des Reha-Zentrums. Sein Schwerpunkt liegt auf kardiologischer Rehabilitation bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bei Herzrhythmusstörungen und bei Herzschwäche sowie nach Herztransplantation. Judit Kleinschmidt ist Sport- und Bewegungstherapeutin (DVGS) und hat das Konzept der Bewegungstherapie in diesem Bereich dort mit entwickelt. Sie leitet seit über zehn Jahren ambulante Herzsportgruppen und hat zudem auch Erfahrung mit Gruppen für COPD-Patienten mit Brustkrebs.

Buchtipp

Volker Köllner, Eike Langheim, Judit Kleinschmidt; Mein Herz + meine Seele – Das Zusammenspiel von Psyche und Herz: Spannende Einblicke in die Psychokardiologie; Deutschland: 19,99 Euro inkl. gesetzl. USt.
30.10.2020; Thieme-Verlag; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 28.10.2020, mit dem Titel „Wie Psyche und Herz zusammenspielen“; https://www.thieme.de/de/presse/herz-und-seele-160799.htm

Gartenarbeit, Golf oder Sex – „Angina d’amour“ ist selten

Angina d’amour ist selten. Foto: Peter Gaß frg/tme. WIESBADEN/STUTTGART. 28. Oktober 2020 – Viele kennen die Frage „Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?“ Sie kommt meist daher, als sei sie lustig gemeint. Nur kontert der Angesprochene souverän darauf.

Aus kardiologischer Sicht stimmt diese Redensart nicht. Darauf weist der Thieme-Verlag, Stuttgart, hin. Die Ärzte Volker Köllner, Eike Langheim und Judit Kleinschmidt haben sich mit dem Thema „Herz und Psyche beschäftigt und im Jahr 2020 ein Buch dazu veröffentlicht. Das Sexualleben ist ein wichtiger Bestandteil unserer Lebensqualität. Eine schwere Herzerkrankung, die bereits bei kleinsten Belastungen zu Symptomen führt, ist zunächst ein Grund, auf sexuelle Aktivität zu verzichten – zumindest bis die Erkrankung stabilisiert ist. Aber wegen einer Herzerkrankung muss man nicht auf Sex verzichten. Natürlich kommt es beim Sex zu einem Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Es kommt aber auch ebenso schnell wieder zu einer Normalisierung dieser Parameter. Die normale Belastung während des Geschlechtsverkehrs liegt im Bereich von 75 Watt oder drei bis fünf MET (metabolisches Äquivalent; ein MET entspricht etwa 15 Watt auf dem Ergometer). So entspricht das „Liebemachen“ der Belastung bei Gartenarbeit oder beim Golfen beziehungsweise einem schnelleren Spaziergang. Die mit Sexualität verbundene körperliche Belastung wird also häufig überschätzt. Während oder nach dem Sex kommt es nur sehr selten zu Herzinfarkten. Nur etwa ein Prozent der Angina-pectoris-Anfälle treten in Zusammenhang mit Sex auf – die sogenannte „Angina d’amour“.

Die Autoren

Die drei Autoren arbeiten gemeinsam im Reha-Zentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung Bund in Teltow an der südlichen Berliner Stadtgrenze. Prof. Dr. med. Volker Köllner ist Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und seit 2015 Chefarzt der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik. Im Reha-Zentrum ist er als ärztlicher Direktor tätig. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Eike Langheim leitet er dort die Abteilung für Psychokardiologie, in der Menschen mit Herzkrankheiten und seelischen Erkrankungen interdisziplinär behandelt werden. Langheim ist Chefarzt der Abteilung Kardiologie des Reha-Zentrums. Sein Schwerpunkt liegt auf kardiologischer Rehabilitation bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bei Herzrhythmusstörungen und bei Herzschwäche sowie nach Herztransplantation. Judit Kleinschmidt ist Sport- und Bewegungstherapeutin (DVGS) und hat das Konzept der Bewegungstherapie in diesem Bereich dort mit entwickelt. Sie leitet seit über zehn Jahren ambulante Herzsportgruppen und hat zudem auch Erfahrung mit Gruppen für COPD-Patienten mit Brustkrebs.

Buchtipp

Volker Köllner, Eike Langheim, Judit Kleinschmidt; Mein Herz + meine Seele – Das Zusammenspiel von Psyche und Herz: Spannende Einblicke in die Psychokardiologie; Deutschland: 19,99 Euro inkl. gesetzl. USt.
30.10.2020; Thieme-Verlag; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 28.10.2020, mit dem Titel „Wie Psyche und Herz zusammenspielen“; https://www.thieme.de/de/presse/herz-und-seele-160799.htm

Bei leichten Atemwegserkrankungen vom 19.10.20 bis 31.12.20 telefonische Krankschreibung möglich

Bildredaktion folgt. Foto: Peter Gaß frg/gba. WIESBADEN/BERLIN. 15. Oktober 2020 – Angesichts bundesweit wieder steigender COVID-19-Infektionszahlen kurz vor Beginn der Erkältungs- und Grippesaison hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erneut auf eine Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung verständigt. Befristet von Montag, 19. Oktober 2020, vorerst bis Donnerstag, 31. Dezember 2020, können Patienten, die an leichten Atemwegserkrankungen leiden, telefonisch bis zu sieben Kalendertage krankgeschrieben werden. Die niedergelassenen Ärzte müssen sich dabei persönlich vom Zustand des Patienten durch eine eingehende telefonische Befragung überzeugen. Eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung kann telefonisch für weitere sieben Kalendertage ausgestellt werden.

„Wir haben aktuell eine sich beschleunigende Infektionsdynamik mit dem COVID-19-Virus, zeitgleich aber auch vermehrt grippale Infekte. Diese parallele Entwicklung ist besorgniserregend. Wir müssen sie unbedingt unterbrechen, ohne dass die Versorgung der Patienten darunter leidet. Hier brauchen wir eine bundesweite robuste Lösung, um Vertrauen aufzubauen. Klar ist: Wir erleben eine erschreckende Entwicklung der Neuinfektionen. Wenn wir in dieser ernsten Situation eines nicht brauchen, sind es volle Wartezimmer. Denn allein durch mögliche Kontakte auf dem Weg in die Praxis oder beim Warten in geschlossenen Räumen steigt das Risiko, sich anzustecken. Mit der Krankschreibung per Telefon gibt es für Menschen mit leichten Atemwegserkrankungen eine gute Alternative zum Praxisbesuch. Die Erfahrungen aus dem Frühjahr 2020 mit der Krankschreibung per Telefon haben gezeigt, wie umsichtig Versicherte damit umgehen. Von der räumlichen Trennung der Fälle werden vor allem auch viele ältere und multimorbide Risikopatienten ohne Atemwegsprobleme profitieren: Ihnen wollen wir die Angst nehmen. Sie können notwendige Arztbesuche und Behandlungen trotz eines aktiven Pandemiegeschehens nutzen, ohne sich einer erhöhten Ansteckungsgefahr auszusetzen oder Krankheiten zu verschleppen. Und diesen älteren und kranken Risikopatienten können wir nicht zumuten, täglich die 7-Tage-Inzidenz zu überprüfen, um eine Entscheidung über einen Arztbesuch zu treffen. Hier würden regional unterschiedliche Regelungen nur Verunsicherung schaffen. Als Verantwortliche in der Gesundheitsversorgung müssen wir uns daran messen lassen, wie wir jene Menschen schützen, die besonders hilfebedürftig sind. Das muss der Gradmesser unseres Handelns sein, natürlich auch in der Pandemie“, erläutert Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA. „Durch die zeitlich befristete Regelung, erst einmal bis zum Jahresende 2020, berücksichtigen wir zudem die dynamische Entwicklung der Pandemie. Der G-BA wird rechtzeitig vor dem Auslaufen über eine Anpassung der zeitlichen Befristung beraten. Wie schnell Entscheidungen im Pandemiefall überholt sein können und angepasst werden müssen, haben wir alle Jahr 2020 gelernt.“

Unabhängig von der Ausnahmeregelung zur telefonischen Krankschreibung sollten Versicherte bei typischen COVID-19-Symptomen, nach Kontakt zu COVID-19-Patienten und bei unklaren Symptomen von Infektionen der oberen Atemwege vor dem Arztbesuch telefonisch Kontakt zur Praxis aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen.

Der Beschluss zur bundesweiten Sonderregelung der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit tritt nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffentlichung im Bundesanzeiger mit Wirkung vom 19. Oktober 2020 in Kraft.
23.10.2020; Gemeinsamer Bundesausschuss; in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 15.10.2020, mit dem Titel „Corona-Pandemie: G-BA ermöglicht erneut telefonische Krankschreibung“; https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/903/

Pille erhöht Thromboserisiko

Pille erhöht Thromboserisiko Foto: Peter Gaß frg/dgim. WIESBADEN. 14. Oktober 2020 – Seit 60 Jahren sorgt die sogenannte Antibabypille für ein selbstbestimmtes Sexualleben von Frauen. In den letzten Jahren geriet sie allerdings zunehmend in die Kritik. Vor allem deswegen, weil sie das Thromboserisiko stark erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) und das Aktionsbündnis Thrombose nahmen daher den Welt-Thrombose-Tag, der am 13. Oktober unter dem Motto „Risiko Thrombose: 60 Jahre Pille – was sind die Fakten“ stattfand, als Anlass, Resümee zu ziehen und auf wichtige Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit der hormonellen Verhütung aufmerksam zu machen.

„Bei Frauen unter 45 ist das Thromboserisiko grundsätzlich niedrig, durch eine hormonelle Verhütung steigt es jedoch deutlich an“, so Professor Dr. Sebastian M. Schellong aus Dresden. „Bei der Verschreibung der Pille ist daher die Ermittlung des Thromboserisikos und die Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, ohne dabei Angst zu machen, enorm wichtig“, so der Gefäßmediziner und Vorsitzende der DGIM.

Jedes Jahr erleiden fünf von 10.000 Frauen eine venöse Thromboembolie (VTE). Thrombosen sind Blutgerinnsel, die vor allem in den tiefen Beinvenen entstehen. Lösen sie sich von der Venenwand, gelangen sie in den venösen Blutkreislauf und können lebensbedrohliche Embolien in der Lunge verursachen. Der Grund für Thrombosen ist eine Veränderung der Blutgerinnung. Diese wird stark vom Lebensstil geprägt, aber auch durch genetische Faktoren und eben auch durch die Einnahme oder Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln.

Der Einfluss der Präparate variiert jedoch stark, je nachdem, welche Hormone und Hormonkombinationen zum Einsatz kommen. Von fünf bis hin zu zwölf von 10.000 Frauen, die ein Hormonpräparat einnehmen, erleiden eine Thrombose. „Eine individuelle Risikoerhebung bei jeder Verschreibung von hormonellen Verhütungsmitteln ist daher ganz entscheidend und trägt zur Sicherheit bei“, so Schellong. Genauso wichtig: „Erleidet eine Frau eine Thromboembolie, ist es unbedingt notwendig, die hormonelle Verhütung weiterzuführen“, so der Experte. „Es klingt zunächst paradox, doch eine Thromboembolie wird mit Gerinnungshemmern therapiert. Während dieser Therapie sollte eine Schwangerschaft nach Möglichkeit verhindert werden, da sonst schwere Schäden beim Fötus entstehen können.“
Über den Welt-Thrombose-Tag
Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) über den Welt-Thrombose-Tag: Der weltweite Aktionstag am 13. Oktober, dem Geburtstag von Rudolf Virchow, wird in Deutschland vom Aktionsbündnis Thrombose ausgerichtet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Gesundheit sowie der DGIM.
14.10.2020; Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM); in: Pressemitteilung, von Dienstag, 13.10.2020, mit dem Titel „Pille als Thromboserisiko? Wann sie schadet und wann nicht“

Rheumatoide Arthritis verträgt keinen Aufschub

Bildredaktion folgt. Foto: Peter Gaß frg/dgrh. WIESBADEN/BERLIN. 1. Oktober 2020 – Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine Krankheit, die keinen Aufschub verträgt. Sobald die anhaltende Gelenkentzündung sich mit Morgensteifigkeit und Gelenkschmerzen bemerkbar macht, öffnet sich ein therapeutisches Fenster, das sich bereits nach einigen Wochen bis wenigen Monaten wieder schließt. Gerade beim klassischen Gelenkrheuma, der Rheumatoiden Arthritis, hat sich die Prognose – sofern die Behandlung rechtzeitig erfolgt – durch die immer mehr Wirkstoffe umfassende Biologikatherapie und neue Operationsmethoden deutlich verbessert. Welche Strategien es gibt, um auch stark betroffene Gelenke zu erhalten oder die Beweglichkeit durch einen Gelenkersatz wieder herzustellen, war ein Schwerpunktthema auf dem gemeinsamen virtuellen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Der Kongress fand von Mittwoch, dem 9. September 2020, bis Samstag, dem 12. September 2020, rein virtuell statt.

„Bei der Rheumatoide Arthritis sollte möglichst früh mit einer medikamentösen, bei Bedarf sogar mit einer operativen Behandlung begonnen werden“, sagt Dr. med. Martin Arbogast, Kongresspräsident seitens der DGORh und Leiter des Zentrums für Rheumatologie, Orthopädie und Schmerztherapie sowie Chefarzt der Abteilung für Rheumaorthopädie und Handchirurgie an der Waldburg-Zeil Klinik Oberammergau. Denn durch die Entzündung werden Gelenkstrukturen geschädigt, die irreversibel verlorengehen. Je früher interveniert wird, desto effektiver können bleibende Schäden verhindert werden.

Die Möglichkeit zum „Hit hard and early“ ist jedoch nur dann gegeben, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. „Die Möglichkeiten, eine Rheumatoide Arthritis bereits in einem frühen Stadium sicher zu diagnostizieren, haben sich seit der Jahrtausendwende deutlich verbessert“, sagt Arbogast. Als wesentlicher diagnostischer Marker gelten heute Antikörper gegen sogenannte citrullinierte Peptide (ACPA), die bereits sehr früh im Blut von Betroffenen nachweisbar sind und sehr spezifisch eine RA anzeigen. Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT arbeiten heute mit Auflösungen, die bereits geringfügige Gelenkveränderungen erkennbar machen.

Die Behandlung wiederum ist durch die Einführung der Biologika revolutioniert worden – biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die gezielt in das überschießende Immungeschehen von Rheumapatienten eingreifen. „Dass viele Gelenke gleichzeitig entzündet und geschwollen sind, sehen wir heute fast nicht mehr“, erklärt Arbogast. „Stattdessen finden sich allenfalls einzelne Gelenke, die aus ungeklärten Gründen nicht auf die medikamentöse Therapie ansprechen.“ Diese Non-Responder müssten früh erkannt und operiert werden. Nur durch das Entfernen der entzündeten Gelenkinnenhaut könne verhindert werden, dass die zerstörerische Entzündung auf darunterliegende tragende Strukturen wie den Gelenkknorpel übergreife. Mittlerweile wisse man auch, dass ein solchermaßen saniertes, „gesundes“ Gelenk auch wieder besser auf eine medikamentöse Rheumatherapie reagiere.

Auch wenn der Gelenkerhalt zunächst oberste Priorität hat und heute in vielen Fällen möglich ist – wenn ein Gelenk zu stark beeinträchtigt ist, muss es durch eine Prothese ersetzt werden. Ein künstlicher Gelenkersatz steht mittlerweile für fast alle Gelenke zur Verfügung. „Wichtigste Richtschnur bei der Entscheidung für eine prothetische Versorgung muss es sein, die Beweglichkeit des Patienten, seine Selbstständigkeit und damit seine Lebensqualität zu erhalten“, sagt Arbogast. Auch beim Gelenkersatz sei die Zeit nicht stehen geblieben, sondern arbeite für die Patienten. So sei die Beweglichkeit der künstlichen Gelenke heute deutlich besser, die Prothesen seien haltbarer und müssten seltener ersetzt werden – und nicht zuletzt bleibe deutlich mehr Knochensubstanz erhalten, sodass Implantatwechsel auch in höherem Alter besser möglich seien. Die Lebensplanung von Rheumapatienten werde damit immer weniger von ihrer Krankheit bestimmt.
Über die DGORh
Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) über sich selbst: Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) setzt sich für die Förderung der Wissenschaft, Lehre und Krankenversorgung auf ihrem Fachgebiet ein, einschließlich der Rehabilitation bei orthopädisch-rheumatologischen Krankheitsbildern. Die DGORh vertritt dabei die Belange der orthopädischen Rheumatologie gegenüber der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit. Die Vertreter der DGORh stehen darüber hinaus allen Institutionen und Vereinigungen als Ansprechpartner zur Seite, die Informationen auf dem Gebiet der orthopädischen Rheumatologie suchen oder Kooperationen wünschen.
01.10.2020; Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 10.09.2020, mit dem Titel „Erhalt der Beweglichkeit als oberstes Ziel“

Rheuma im digitalen Zeitalter – Was können Videosprechstunden leisten

Bildredaktion folgt. Foto: Peter Gaß frg/dgrh/dgorh. WIESBADEN/BERLIN/PLANEGG. 1. Oktober 2020 – Im Frühjahr 2020 boomte plötzlich die Videotelefonie. Viele wollten modern sein und bedienten sich dieses Mittels: Eltern, Schüler, Lehrer, kaufmännische Angestellte, Vorgesetzte. Für viele war es neu. Für viele war es eine Spielerei. Der Boom ließ nach einigen Wochen nach. Es stellte sich die Frage, worin der Mehrwert bestehe, wenn man sich bei der Kommunikation auf Distanz nicht nur hört sondern auch sieht. Ruckelnde Bilder, ablenkende Hintergründe, Bild und Ton asynchron etc. haben einige Anwender schnell wieder mit der Realität konfrontiert.

Auch im Gesundheitswesen wurde intensiv über Videosprechstunden diskutiert. Es fanden sich Möglichkeiten zur Abrechnung. Videosprechstunden wurden angeboten. Ärzte investierten in Technik und Fortbildung. Patienten konnten den Arzt nicht nur – wie seit Jahrzehnten bei der Telefonsprechstunden – hören, sondern auch sehen.

Dr. med. Martin Welcker, Ärztliche Leitung, MVZ für Rheumatologie Dr. M. Welcker GmbH, Planegg (bei München), gab am Mittwoch, dem 9. September 2020, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz dazu ein Expertenstatement ab.

Die Telesprechstunde wird öffentlich beworben. Hierbei ist die „Telefonsprechstunde“ als etabliert zu betrachten und hat seit vielen Jahren zur ergänzenden Beratung einen festen Stellenwert. Die Videosprechstunde, die neben der Überwindung der Distanz auch das Bild des Gegenübers ins Gespräch bringt, wird seit Verabschiedung des E-Health-Gesetzes 2015, unter anderem durch Gesundheitsminister Spahn, zunehmend propagiert.

Im Rahmen der COVID-Pandemie kam es dann in der Zeit des Lock-Downs zu explosionsartigem Wachstum bei der Anzahl durchgeführter Videosprechstunden. Die Frequenz derselben hat allerdings nach dessen Aufhebung bereits wieder stark nachgelassen, wie Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) belegen.

Für welche Patienten Videosprechstunden in der Rheumatologie außerhalb der Corona-Pandemie geeignet sind, ist auf Initiative von Dr. Aries (Hamburg) aktueller Inhalt einer Diskussion innerhalb der Kommission „Digitale Rheumatologie“ unter Leitung von Frau Professor Richter (Düsseldorf) der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), welche eine diesbezügliche Stellungnahme für die DGRh nach Freigabe durch deren Vorstand erarbeitet. Aktuell wurden bereits grundlegende Überlegungen zum Arbeitsgebiet der Digitalisierung in der Medizin mittels eines Positionspapiers in der Zeitschrift für Rheumatologie (Knitza, Richter et al.) publiziert.

Die Videosprechstunde ermöglicht Konsultationen auf Distanz in entlegene Gebiete. Sie öffnet die Möglichkeit, außerhalb der üblichen Mitarbeiter-assoziierten Sprechstunde Patienten zu betreuen. Zudem ergibt sich zum Beispiel die Möglichkeit einer Screening-Abstimmung mit zuweisenden Kollegen, um bereits im Vorfeld zu klären, welche Patienten tatsächlich fachärztlich rheumatologisch untersucht werden müssen. Möglicherweise kann die Compliance und Adhärenz unserer Patienten durch diese Form der ergänzenden Betreuung verbessert werden. Auch ist eine Optimierung des Tight-Control-Konzeptes hierdurch denkbar. Diese und weitere Einsatzmöglichkeiten sowie die klinische Einschätzung sollten beziehungsweise müssen vor oder mit deren Umsetzung wissenschaftlich evaluierend begleitet werden. Die alleinige Möglichkeit der Durchführung eines Verfahrens ist nicht automatisch gleichwertig mit der notwendigen Qualität und Sorgfalt in der medizinischen Betreuung.

Die Videosprechstunde ist somit als ein Teil der Telemedizin mit den weiteren Bestandteilen, insbesondere den medizinischen Applikationen, in der zukünftigen Versorgung unserer Patienten zu betrachten. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), Digitale
Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und die Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung (DiGAV) werden diese Entwicklung nicht nur rechtlich begleiten, sondern auch beschleunigen. Die hierbei auch geforderte weitere Evaluation der digitalen Möglichkeiten ist
allerdings dringend notwendig.
Über die DGRh
Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) über sich selbst: Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.500 Mitgliedern die deutsche medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich der Rheumatologie. Sie fördert seit 90 Jahren rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und zum Nutzen der Allgemeinheit, ohne dabei wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Zentrale Anliegen der Fachgesellschaft sind die Erforschung rheumatischer Erkrankungen sowie der fachliche Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen. Die DGRh fördert wissenschaftliche Konzepte der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten und Angehörigen medizinischer Assistenzberufe sowie der Schulung von Patienten. Sie sorgt auf diese Weise dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse in angewandte Heilkunde zu übertragen. Die Information ihrer Mitglieder, der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit über die Entwicklungen in der Rheumatologie ist wesentlicher Auftrag der DGRh.
01.10.2020; Dr. med. Martin Welcker, Ärztliche Leitung, MVZ für Rheumatologie Dr. M. Welcker GmbH, Planegg (bei München); in: Expertenstatement mit dem Titel „Rheuma im digitalen Zeitalter – Was können Videosprechstunden leisten“; Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Rheumatologi@Kongresses 2020 – virtuell; 48. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh); 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh); Mittwoch, 9. September 2020, 14.30 bis 15.30 Uhr

KVB-Vorstand sieht große Probleme bei Gesundheits-Apps

Bildredaktion folgt. Foto: Peter Gaß frg/kvb. WIESBADEN/MÜNCHEN. 1. Oktober 2020 – Apps auf dem Smartphone – das ist für viele Spielerei, Zeitvertreib, Spielerei. Die meisten – insbesondere junge Leute – begegnen selbst Apps, die tief in ihr Privatleben eingreifen können, nicht mit dem nötigen Respekt. Dazu gehören Banking-Apps und auch Gesundheits-Apps. Der Arzt, der eine App auf Rezept verschreibt, ist in den Augen der jungen Nutzer cool. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ruft zur Vorsicht bei der Verordnung und Nutzung und Verordnung digitaler Gesundheitsanwendungen in Form von Apps auf dem Smartphone auf.

Gesundheits-Apps sind nicht Bestandteil einer leitliniengerechten, qualitätsgesicherten und evidenzbasierten medizinischen Versorgung der Patienten. Es besteht auch keine Pflicht für die Praxen, solche Apps zu verordnen. Die Patienten sollten bei der Nutzung der Apps dringend darauf achten, dass sie nicht leichtfertig hochsensible Gesundheitsdaten preisgeben, die von den Anbietern der Apps eventuell für kommerzielle Zwecke verwendet werden könnten.

Der Vorstand der KVB – Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp – erklärte dazu: „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist nicht aufzuhalten und macht in vielen Bereichen durchaus auch Sinn. Bei den Gesundheits-Apps, die künftig von den Ärzten und Psychotherapeuten verordnet oder von den Krankenkassen veranlasst und von diesen auch erstattet werden können, sehen wir allerdings das große Problem der Intransparenz in Bezug auf Qualität und Datenschutz. Hier muss eindeutig eine sorgfältige Prüfung des wirklichen Nutzens erfolgen, bevor solche Apps in der medizinischen Versorgung zum Einsatz kommen. Die Patienten dürfen nicht zu ‚Versuchskaninchen‘ der IT-Industrie und der App-Programmierer gemacht werden.“

Noch weitgehend ungeklärt ist ferner aus Sicht des Vorstands der KVB, wer das Haftungsrisiko trägt, falls die eingesetzte App beispielsweise nicht die korrekten oder auch widersprüchliche Daten liefert.

Damit Ärzte und Psychotherapeuten keinem unkalkulierbaren Haftungsrisiko ausgesetzt sind, fordert der Vorstand der KVB, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nur Gesundheits-Apps zulässt, deren Sicherheit und bedenkenlose Anwendung garantiert werden können.
01.10.2020; Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 17.09.2020, mit dem Titel „KVB-Vorstand zu Gesundheits-Apps: Patienten nicht zu Versuchskaninchen machen!“; https://www.kvb.de/presse/presseinformationen/presseinformationen-2020/17092020/

Je älter desto Zwilling

Je älter desto Zwilling. Foto: Peter Gaß frg/dgum. WIESBADEN/BERLIN. 1. Oktober 2020 – Die Wahrscheinlichkeit, mit Zwillingen schwanger zu werden, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Grund dafür ist zum einen die Zunahme von künstlichen Befruchtungen, zum anderen aber auch das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter.

Etwa eine von 54 werdenden Müttern bekommt heutzutage zwei Kinder auf einmal. Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit besonderen Risiken verbunden: Frühgeburten und Fehlbildungen kommen deutlich häufiger vor als bei Einlingsschwangerschaften. Eine engmaschige Begleitung durch ultraschallerfahrene Ärzte sei bei einer Zwillingsschwangerschaft essenziell, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM). Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat die DEGUM die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften herausgegeben (1).

War im Jahr 1977 nur jedes 56. Neugeborene ein Mehrling, so sind es heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele. „Grund dafür ist zum einen die Zunahme von künstlichen Befruchtungen, zum anderen aber auch das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter“, erklärt Privatdozent Dr. med. Kai-Sven Heling, Pränataldiagnostiker und Vizepräsident der DEGUM. Denn Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge pro Zyklus (2). Gemeinsam mit der DGGG hat die DEGUM die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften veröffentlicht. Denn bislang gab es keine einheitlichen deutschsprachigen Empfehlungen zum Management von Zwillingsschwangerschaften.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jene Zwillingsschwangerschaften, welche einem erhöhten Risiko für Komplikationen unterliegen, frühzeitig identifiziert und kontinuierlich per Ultraschall betreut werden“, erklärt Professor Dr. med. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Perinatalzentrums der Medizinischen Hochschule Hannover und Leitlinienbeauftragter der DEGUM. „Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich durch die frühzeitige Erkennung von Komplikationen und ein daraus ableitbares Management die Mortalität und Morbidität der betroffenen Zwillinge deutlich senken“, ergänzt Professor Dr. med. Kurt Hecher vom UKE Hamburg und Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG.

Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften kommt es bei Zwillingen häufiger zu komplizierten Verläufen. Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und eine Frühgeburt. Die Schwangeren haben zudem schon allein aufgrund der stärkeren körperlichen Belastung durch zwei Kinder im Bauch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Blutarmut und eine
Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Gefährdet sind aber vor allem die Feten selbst. Entscheidend dabei ist vor allem, ob sich die Ungeborenen eine Plazenta und/oder eine Fruchthöhle teilen müssen.

Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fetus eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchthöhle hat, sind in der Regel wenig problematisch. „Bei diesen Schwangerschaften geht es vor allem darum, dass die Feten wenig Platz haben und zusammen ein deutlich höheres Gewicht aufbringen als ein Einling“, erklärt von Kaisenberg. Der Druck auf den Muttermund steige enorm, eine Frühgeburt drohe. Zwillinge werden deshalb auch spätestens in der Schwangerschaftswoche 38 geboren.

Bei jeder fünften Zwillingsschwangerschaft teilen sich die Ungeborenen hingegen eine Plazenta. Eine solche „monochoriale“ Schwangerschaft lässt sich bis Schwangerschaftswoche 14 mithilfe der Ultraschalldiagnostik feststellen. Diese Kinder sind in besonderer Weise gefährdet. So kann es sein, dass eine Gefäßverbindung zwischen den Zwillingen besteht, es droht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS). Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. „Bei monochorialen Zwillingen muss ganz engmaschig betreut werden, um zu sehen, ob eines der Kinder unterversorgt ist und das andere zu viel abbekommt. Es könnten einer oder auch beide sterben“, sagt von Kaisenberg. Er rät Schwangeren, sich in dieser Situation einen Arzt oder eine Ärztin mit hoher Ultraschallkompetenz zu suchen. Wer beispielsweise eine DEGUM-Zertifizierung der Stufe zwei und/oder drei besitzt, ist ausreichend qualifiziert, um Risiken zu erkennen und frühzeitige Therapiemaßnahmen einzuleiten.

„Trotz aller Risiken kommen die meisten Zwillinge heutzutage gesund und munter auf die Welt“, erklärt Heling. „Die neue Leitlinie leistet einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung – sowohl der Mütter als auch der Feten bei Zwillingsschwangerschaften.“
Literatur:
(1) AWMF LL 015-087 S24 Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften. von Kaisenberg CS*, Klaritsch P*,
Ochsenbein-Kölble N, Hodel M, Nothacker M, Hecher K. (*geteilte Erstautorenschaft), https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-087.html; (2) Beemsterboeret S.N. al.: The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age. Human Reproduction, Volume 21, Issue 6, June 2006, Pages 1531–1532, https://doi.org/10.1093/humrep/del009
Über die DEGUM
Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) über sich selbst: Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 11.000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis
III.
01.10.2020; Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM); in: Pressemitteilung, von Donnerstag, 24.09.2020, mit dem Titel „DEGUM und DGGG veröffentlichen gemeinsame Leitlinie zur Betreuung von Zwillingsschwangerschaften: Doppeltes Glück, doppeltes Risiko?“

Übergewicht als Folge von Mangelernährung

Die DGEM weist auf die zunehmende Mangelernährung hin. Foto: Peter Gaß frg/dgem. WIESBADEN/BERLIN. 1. Oktober 2020 – Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind von Mangelernährung betroffen, darunter auch immer mehr Kinder. Während in Entwicklungsländern vor allem unterernährte Kinder an einem Nährstoffmangel leiden, sind es in Industrieländern auch immer mehr Kinder mit normalem oder Übergewicht. Die Gründe hierfür liegen vor allem in einer einseitigen Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln. Um ihre Kinder mit allen Nährstoffen zu versorgen und die Folgen von Übergewicht, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, zu vermeiden, sollten Eltern auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit möglichst vielen unverarbeiteten, frischen Nahrungsmitteln achten. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) aufmerksam.

Auch Kinder, die in Bezug auf die Energiezufuhr genug zu essen bekommen, können unter einer Mangelernährung leiden. Dabei stehen dem Körper nicht alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung. Eine einseitige Ernährung kann zu solchen Mangelerscheinungen führen. In vielen Familien werden die Mahlzeiten nicht selbst zubereitet. Stattdessen kommen hochverarbeitete Lebensmittel, wie Fertiggerichte, Cornflakes oder Limonaden, auf den Tisch. „Solche Produkte haben zumeist eine hohe Energiedichte, enthalten häufig Zusatzstoffe und Aromen und besitzen gleichzeitig einen niedrigen Nährstoffgehalt“, sagt Professor Dr. oec. troph. Dr. med. Anja Bosy-Westphal, Präsidentin der DGEM. „Hochverarbeitete Lebensmittel fördern die Entwicklung von Mangelernährung und Adipositas und sollten daher nur in geringen Mengen verzehrt werden“, so die Leiterin der Abteilung Humanernährung des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Auch im Hinblick auf Verpackungsmüll, globalisierte und nicht nachhaltige Lebensmittelproduktion und damit im Hinblick auf Nachhaltigkeit schneiden sie schlecht ab.

Mangelernährung bei Kindern kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. „Eine einseitige Ernährung kann neben zum Beispiel akuten Auswirkungen auf das Immunsystem auch langfristig die neurologische Entwicklung hemmen. Tritt die Mangelernährung im Verlauf der frühkindlichen Ernährung – bis zum zweiten Geburtstag – auf, so können zusätzlich dauerhafte Veränderungen am Stoffwechsel ausgelöst werden, sogenannte Programmierungseffekte. Diese können die künftige Gesundheit des Kindes negativ beeinflussen“, sagt Privatdozent Dr. med. Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau und erster Vizepräsident der DGEM. „Wenn Kinder mangelernährt sind, kann sich zudem ihre geistige und sozial-emotionale Entwicklung verzögern“, so der Experte. Weitere mögliche Konsequenzen seien eine Schwächung des Immunsystems, eine verzögerte Geschlechtsreife, eine verzögerte Wundheilung sowie eine verminderte Knochendichte und Muskelmasse.

Auch die Folgen von Übergewicht sind nicht zu unterschätzen. „Menschen, die bereits im jungen Alter Übergewicht oder sogar starkes Übergewicht, eine Adipositas, haben, sind davon zumeist auch im Erwachsenenalter betroffen“, sagt Bosy-Westphal. Je ausgeprägter das Übergewicht ist, desto höher sei auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, eine nichtalkoholische Fettleber oder Erkrankungen des Bewegungsapparates. „Bei stark übergewichtigen Kindern können diese Folgeerkrankungen bereits vor dem Erwachsenenalter auftreten.“

Um diese gravierenden Gesundheitsprobleme zu vermeiden, ist eine ausgewogene Ernährung in der Wachstumsphase von besonderer Bedeutung. Für die richtige Entwicklung und die Stärkung der Immunabwehr sollten Kinder vor allem Lebensmittel konsumieren, die eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. Das bedeutet, dass hier der Anteil an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen im Verhältnis zum Energiegehalt deutlich überwiegt. „Der Ernährungsplan sollte möglichst viele frische und wenig verarbeitete Lebensmittel enthalten“, so Jochum. „Eltern sollten darauf achten, ihren Kindern vor allem pflanzliche Lebensmittel, wie vollwertige Getreideprodukte, Gemüse und Obst, anzubieten. Hochverarbeitete Lebensmittel wie zuckerhaltige Softdrinks, Süßigkeiten und Fast Food sollten hingegen nur selten verzehrt werden.“ Allgemein empfehlen die Experten, auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zu achten. So lasse sich sowohl eine Mangelernährung als auch Übergewicht vermeiden.
Über die DGEM
Das sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) über sich selbst: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ernährungsmedizin in Deutschland. Sie ist eine multidisziplinäre Vereinigung aller Berufsgruppen, die sich mit Ernährungsmedizin befassen.
01.10.2020; Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM); in: Pressemitteilung, von Dienstag, 15.09.2020, mit dem Titel „Mangelernährung und Übergewicht bei Kindern: Hochverarbeitete Lebensmittel begünstigen Nährstoffmangel und fördern Gewichtszunahme“; https://www.dgem.de/pressemitteilungs-archiv-92020

Weitere Gesundheitsthemen

  • Schutzbrille für die Augen

Hauswirtschaft

Kartoffeln richtig einkellern – AGRAVIS-Experte Christian Schepergerdes im Interview

Kartoffeln sollen in einem kühlen und abgedunkelten Raum gelagert werden. Foto: Peter Gaß frg/agravis. WIESBADEN/MÜNSTER. 6. November 2020 – Im Herbst ist der richtige Zeitpunkt, um Kartoffeln im Keller einzulagern. Wie der Feldfrüchte-Vorrat möglichst lange halten kann, erklärt AGRAVIS-Experte Christian Schepergerdes im Interview.

Wie sollten die Räumlichkeiten für die Lagerung beschaffen sein?

Schepergerdes: Wichtig ist, dass die Kartoffeln in einem kühlen und abgedunkelten Raum gelagert werden. Lichteinfall sollte unbedingt vermieden werden. Denn dadurch werden die Kartoffeln grün. Gleichzeitig bilden sich Bitterstoffe (Solanin), die für den Menschen gefährlich werden können. Sehr hohe Mengen davon sind giftig – deshalb ergrünte Knollen nicht verzehren.

Welche Maßnahmen lassen sich bei der Lagerung noch unternehmen?

Schepergerdes: Es empfiehlt sich, die Kartoffeln an einem gut belüfteten Ort zu lagern. Denn In der Kartoffel vollziehen sich Stoffwechselprozesse. Dafür ist der CO2-Austausch von Bedeutung.

Wie sinnvoll ist es, die Kartoffeln abzudecken?

Schepergerdes: Das sollte unbedingt vermieden werden. Dadurch können die Kartoffeln Schaden nehmen. Unter einer Folie oder einer Decke würde sich Staunässe bilden. Die Folge wäre ein Pilzbefall.
06.11.2020; AGRAVIS Raiffeisen AG; in: Medienservice 11/2020 von Donnerstag, dem 05.11.2020, mit dem Titel „Kartoffeln richtig einkellern“; https://www.agravis.de/de/ueber-agravis/newsroom/medienservice/#2203396post4

Bundesrat stimmt Nutri-Score-Kennzeichnung zu

Der Nutri-Score hilft, die Nährwertqualität zu vergleichen. Foto: (c) BMEL/Janine Schmitz/photothek.net frg/bmel. WIESBADEN/BERLIN. 23. Oktober 2020 – Der Weg für die flächendeckende Nutzung des Nutri-Score ist frei. Am Freitag, dem 9. Oktober 2020, hat der Bundesrat der Verordnung der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Julia Klöckner (CDU), zugestimmt. Die Ministerin hatte entschieden, dieses System als erweitertes Nährwertkennzeichen auf der Vorderseite von Verpackungen in Deutschland einzuführen.

Der Nutri-Score ermöglicht es, auf einen Blick die Nährwerteigenschaften eines Lebensmittels zu erfassen und verschiedene Produkte innerhalb einer Produktgruppe miteinander hinsichtlich ihres Nährwertes zu vergleichen.

Julia Klöckner: „Die Einführung des Nutri-Score ist ein wichtiger Baustein unserer Ernährungspolitik in Deutschland, ein wichtiger Schritt hin zu einem stärkeren Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf und gegen versteckte Dickmacher. Für die Verbraucher schaffen wir Orientierung auf den ersten Blick, unterstützen sie damit, ihr Konsumverhalten an die persönliche Situation anzupassen. Sie sollen wissen können, was sie essen – mit dem Mehr an Information ermöglichen wir eine gesündere Ernährung. Zudem bleibt die Nährwerttabelle auf der Rückseite erhalten.“

23.10.2020; Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); in: Pressemitteilung Nr. 194/2020, von Freitag, 09.10.2020, mit dem Titel „Nutri-Score-Kennzeichnung kommt!“; https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/194-nutri-score.html
Foto: (c) BMEL/Janine Schmitz/photothek.net

Thermostate richtig einstellen

Die Zahlen auf dem Thermostat sind für viele ein Rätsel. Foto: Peter Gaß frg/co2o. WIESBADEN/BONN. 6. Oktober 2020 – Früher waren an den Heizkörpern Ventile. Das bedeutete: Aufdrehen: viel heißes Wasser, also viel Wärme. Zudrehen: wenig bis kein heißes Wasser, also wenig Wärme. Mittlerweile sind die meisten Heizkörper mit Thermostaten ausgestattet. Doch die meisten Menschen bedienen diese weiterhin wie Ventile. Und auch die Thermostate an vielen Heizkörpern scheinen wie Ventine zu reagieren. Meist sind Thermostate so justiert, dass mit der Einstellung „3“ eine Raumtemperatur um die 20 Grad Celsius erreicht wird. Zwischen jeder Stufe ist eine Differenz von 3 bis 4 Grad Celsius.

Probieren Sie es aus. Legen Sie ein Thermometer für einen Tag in einen unbeheizten Raum. Stellen Sie das Thermostat auf Stufe *. Lesen Sie zu einer festen Zeit die Themeratur ab und notieren Sie diese. Notieren Sie auch die Außentemperatur sowie Stichpunkte zum Wetter. Dann stellen Sie das Thermostat auf Stufe 1. Zur gleichen Zeit wie beim ersten Ablesen, notieren Sie wieder die Temperaturen. Dies protokollieren Sie für jede Stufe. Nach einer Woche haben Sie ein Ergebnis. Es ist sinnvoll, dieses Protokoll nach einigen Wochen zu wiederholen.

Mirka Jedamzik hat Hinweise zur Bedienung von Thermostaten zusammengestellt. Diese sind u. a. auf der Website von CO2online veröffentlicht. Für die folgenden Auszüge wurde uns ein Nutzungsrecht erteilt.

Was bedeuten die Zahlen auf dem Thermostat?

Die Zahlenskala auf dem Thermostatkopf dient zur Orientierung. Denn die Raumtemperatur ist von vielen weiteren Faktoren abhängig. Zum Beispiel davon, wo Heizkörper und Thermostat installiert sind. Üblicherweise justieren die Hersteller die Thermostate so, dass mit der Einstellung „3“ eine Raumtemperatur um die 20 Grad Celsius erreicht wird. Jede Stufe mehr entspricht etwa einer Temperaturerhöhung um 3 oder 4 Grad Celsius – oder entsprechend 3 oder 4 Grad weniger.

Als Faustregel: Die Wohlfühltemperatur für das Wohnzimmer liegt in der Regel bei etwa 20 Grad Celsius und somit der Thermostateinstellung 3. Für alle Räume gibt es Richtwerte für effizientes Heizen:

Raum Temperatur Thermostat-Stufe
Wohnzimmer 20 Grad 3
Küche 18–20 Grad 2–3
Bad 23 Grad 3–4
Schlafzimmer 16–18 Grad 2
Kinderzimmer 20–22 Grad 3–4
Flur 16 Grad 2

Wird es schneller warm, wenn ich das Thermostat voll aufdrehe?

Sie kommen nach Hause und möchten schnell eine angenehme Temperatur von 20 Grad Celsius erreichen. Dafür stellen Sie das Thermostat auf die höchste Stufe – oder?

Nachdem die Raumtemperatur bereits 20 Grad Celsius erreicht hat, heizt der Heizkörper in diesem Fall so lange weiter, bis der Temperaturfühler am Thermostaten die eingestellte Temperatur registriert. Auf höchster Stufe circa 28 Grad Celsius! Sie heizen also nicht schneller, sondern nur länger – und zahlen unnötige Heizkosten. Die folgende Infografik veranschaulicht dies.
<img src="https://www.CO2online.de/fileadmin/_processed_/1/6/csm_thermostat-bedienen_3716ba8d26.png“ width=“610″ height=“434″ title=“So bedienen Sie Ihr Heizungsthermostat richtig: Es wird nicht schneller warm, wenn das Thermostat voll aufgedreht. Mit dem Thermostat wird die Wunschtemperatur eingestellt. Quelle: www.CO2online.de“ alt=“So bedienen Sie Ihr Heizungsthermostat richtig: Es wird nicht schneller warm, wenn das Thermostat voll aufgedreht. Mit dem Thermostat wird die Wunschtemperatur eingestellt. Quelle: www.CO2online.de“ />


06.10.2020; Mirka Jedamzik; in: CO2online gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH; in: Beitrag von Donnerstag, 30.04.2020, mit dem Titel „Thermostate richtig einstellen und bedienen: häufigste Fragen und 12 beste Tipps“; https://www.CO2online.de/energie-sparen/heizenergie-sparen/thermostate/thermostate-richtig-einstellen-bedienen/

Weitere Hauswirtschaftsthemen

  • Heizperiode

Jahreszeit: Herbst, Winter

Zeitumstellung: Was Verkehrsteilnehmer beachten müssen

Viele Wildtiere sind dämmerungsaktiv. Foto: Peter Gaß frg/adac. WIESBADEN/MÜNCHEN. 19. Oktober 2020 – In der Nacht von Samstag, dem 24. Oktober 2020, zu Sonntag, dem 25. Oktober 2020, werden die Uhren umgestellt. Damit endet die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Ab dann gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Diese wird umgangssprachlich mittlerweile auch Winterzeit genannt.

Morgens etwa bei der Fahrt zur Arbeitsstelle, in die Schule zur Uni ist es früher hell. Dafür ist es am Abend bei der Fahrt in den Feierabend früher dunkel. Berufspendler machen sich dann häufig erst im Dunkeln auf den Heimweg. Kommt trübes Herbstwetter, womöglich mit Nebel hinzu, ist besondere Vorsicht geboten, denn bei schlechten Sichtverhältnissen steigt die Gefahr entgegenkommende Fahrzeuge oder Fußgänger zu spät zu erkennen.

Weil das Fahren im Dunkeln mit Risiken verbunden ist, empfiehlt der ADAC, die Einstellung der Scheinwerfer im Herbst überprüfen zu lassen. Nebelscheinwerfer sollten jedoch nur bei schlechter Sicht eingeschaltet werden, Nebelschlussleuchten nur bei Sichtweiten unter 50 Meter. Auch die Fahrzeugscheiben sollten angesichts schwieriger Lichtverhältnisse im Herbst besonders sauber gehalten werden. Das gilt sowohl für innen als auch für außen.

Fußgänger und Radfahrer sollten darauf achten, dass sie für Autofahrer gut erkennbar sind. Helle Kleidung und Reflektoren sind sinnvoll. Radfahrer sollten auf eine funktionsfähige Beleuchtung achten und diese im Zweifel früher als später einschalten.

Autofahrer, die in der Dämmerung durch Wald- und Feldgebiete fahren müssen, müssen verstärkt damit rechnen, Wildtieren zu begegnen. Viele Wildtiere sind dämmerungsaktiv und deshalb zur gleichen Zeit unterwegs wie viele Berufspendler.
23.10.2020; Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC); in: Pressemitteilung, von Montag, 19.10.2020, mit dem Titel „Achtung: Zeitumstellung! Was Verkehrsteilnehmer beachten müssen“; https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/903/

Weitere Aspekte, die rund um die Jahreszeit aktuell diskutiert werden

  • Jahreswechsel 2020/2021
  • Planung 2021

Kirchenjahr

Bätzing: Die Enzyklika ist ein Weck-, Mahn- und Hoffnungsruf

Bätzing: Die Enzyklika ist ein Weck-, Mahn- und Hoffnungsruf. Foto: Peter Gaß frg/dbk. WIESBADEN/BONN. 5. Oktober 2020 – Papst Franziskus hat am Sonntag, dem 4. Oktober 2020, im Vatikan seine Enzyklika Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft veröffentlicht. Zentrale Aussage des Papstes ist der Wunsch, einen Planeten zu haben, der allen Menschen Land, Heimat und Arbeit biete.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, stellte die Enzyklika bei einer Pressekonferenz in Limburg vor und würdigte sie als einen „eindringlichen Appell für weltweite Solidarität und internationale Zusammenarbeit“. Papst Franziskus wende sich insbesondere gegen nationale Abschottung und rege an, über eine „Ethik der internationalen Beziehungen“ nachzudenken. Hier, so Bischof Bätzing, sehe der Papst die Christen in der Verantwortung, keine neuen Mauern zu errichten und daran zu arbeiten, bestehende Hindernisse einzureißen. Geschwisterlichkeit sei für Papst Franziskus eine „Liebe, die alle politischen und räumlichen Grenzen übersteigt“ und weit entfernte Menschen genauso achte wie Menschen in unmittelbarer Nähe. Es gehe, betonte Bischof Bätzing, im Kern um die Würde des Menschen, die sich aus der Gottesebenbildlichkeit heraus begründe. „Die Enzyklika ist ein Weck-, Mahn- und Hoffnungsruf: Ein Weckruf, dass wir zueinander finden. Ein Mahnruf, dass wir den Nächsten nicht vergessen. Ein Hoffnungsruf, der uns auffordert, Mauern niederzureißen und Zusammenhalt zu stärken“, sagte Bischof Bätzing.

Besonders eindrucksvoll sei, dass der Papst in der Enzyklika trotz einer teilweise mit harten Worten formulierten Analyse der Welt die Hoffnung nicht verliere. Das zeige sich unter anderem in der neuen Wertschätzung für viele Menschen, die in der Corona-Pandemie großes Engagement bewiesen und in Situationen der Angst mit der Hingabe ihres Lebens reagiert hätten, so Bischof Bätzing.

Die Vielfalt der welt- und friedenspolitischen Themen, die der Papst in der Enzyklika nenne, mache deutlich, wie wichtig der Dialog zwischen den Nationen, Gesellschaften und vor allem auch Religionen sei. „Papst Franziskus unterstreicht die notwendige Rückkehr zu einer ‚Kultur der Begegnung‘ und zu echten Dialogen, weg von den ‚parallel verlaufenden Monologen‘, die derzeit häufig ablaufen“, sagte Bischof Bätzing. „Der echte und aufrichtige Dialog ist auch für die Kirche in Deutschland auf dem Synodalen Weg die Richtschnur“.

Papst Franziskus, so Bischof Bätzing, setze sich für Chancengerechtigkeit, soziale Inklusion und Teilhabegerechtigkeit ein. „Die Deutsche Bischofskonferenz fühlt sich damit bestätigt in ihrem Engagement der zurückliegenden 25 Jahre, in dem sie sich immer wieder zu gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen geäußert hat und für diese sozialethischen Werte und Ziele eingetreten ist. Die Kirche steht in der Pflicht, sich in gesellschaftliche und politische Diskussionen und Entscheidungsprozesse einzubringen. Dazu fordert die Enzyklika uns weiterhin auf“, so Bischof Bätzing.

Hintergrund:
Eine Enzyklika (gr. kyklos = Kreis) ist ein Päpstliches Rundschreiben an einen Teil oder an alle Bischöfe sowie an alle Gläubigen, oft auch an alle Menschen guten Willens. Sie befasst sich mit Gegenständen der Glaubens- und Sittenlehre, der Philosophie, der Sozial-, Staats- und Wirtschaftslehre sowie der Disziplin und der Kirchenpolitik. Päpstliche Rundschreiben sind Ausdruck oberster Lehrgewalt des Papstes, aber keine „unfehlbaren“ Lehräußerungen. Sie wurden von Papst Benedikt XIV. (1740 – 1758) eingeführt. Die meist lateinischen Anfangsworte bilden den Titel der Enzyklika. Papst Franziskus hat bisher zwei Enzykliken veröffentlicht: Am 29. Juni 2013 erschien die Enzyklika Lumen fidei – Über den Glauben und am 24. Mai 2015 die Enzyklika Laudato si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus.
05.10.2020; Deutsche Bischofskonfeenz; in: Pressemitteilung Nr. 159, von Sonntag, 04.10.2020, mit dem Titel „Papst Franziskus veröffentlicht Sozialenzyklika Fratelli tutti“; https://www.dbk.de/nc/presse/aktuelles/meldung/papst-franziskus-veroeffentlicht-sozialenzyklika-fratelli-tutti/detail/

Politik

30 Jahre Wiedervereinigung

30 Jahre Wiedervereinigung. Foto: Peter Gaß frg/nn. WIESBADEN/BERLIN. 1. Oktober 2020 – Hier erscheint der Beitrag zu 30 Jahre Wiedervereinigung. Hier erscheint der Beitrag zu 30 Jahre Wiedervereinigung. Hier erscheint der Beitrag zu 30 Jahre Wiedervereinigung. Hier erscheint der Beitrag zu 30 Jahre Wiedervereinigung.

Wiesbaden: NN führt Die Linke in den Kommunalwahlkampf

NN führt Die Linke in den Kommunalwahlkampf 2021. Foto: Peter Gaß frg/liwi. WIESBADEN. 2. November 2020 – Die Partei DIE LINKE hat für die Wiesbadener Kommunalwahl am Sonntag, dem 14. März 2021, noch keine Kandidatenliste aufgestellt. Wie der Kreisverband auf Anfrage mitteilt, war eine Präsenzveranstaltung für November 2021 geplant, die Mitglieder bereits eingeladen. Doch dann kam Corona. Der neue Termin ist für Samstag, den 28. November 2020 vorgesehen.
02.11.2020; Die Linke, Kreisverband Wiesbaden; in: Auskunft auf eine Presseanfrage von Montag, 02.11.2020

Wiesbaden: Dr. Hendrik Schmehl führt SPD in den Kommunalwahlkampf

Schmehl führt SPD in den Kommunalwahlkampf 2021. Foto: Peter Gaß frg/spdwi. WIESBADEN. 19. Oktober 2020 – Die SPD Wiesbaden hat auf ihrer Mitgliederversammlung am Samstag, dem 17. Oktober 2020 ihre Kandidaten für die Kommunalwahl am 14. März 2021 aufgestellt. An der Mitgliederversammlung, die im RheinMain CongressCenter stattfand, haben ca. 140 Personen teilgenommen. Im Vorfeld gab es auf Grund der steigenden Corona-Zahlen einige Absagen.

Als Spitzenkandidat wurde Dr. Hendrik Schmehl mit 93 Prozent gewählt. Der derzeitige Fraktionsvorsitzende umriss in seiner Rede die Dringlichkeit in der Kommunalpolitik darauf zu achten, die ganze Stadt im Blick zu haben. „Die Selbstverständlichkeit, mit der Mittel für die Verkehrswende eingefordert werden, die Selbstverständlichkeit, mit der das Defizit bei EWSE Verkehr bisher unbekannte Dimensionen erreicht, diese Selbstverständlichkeit würde ich mir häufiger im Sozialhaushalt wünschen! Hier müssen wir als SPD hart um jeden Euro kämpfen“, so beschreibt Schmehl seine Wahrnehmung mancher Schwerpunkte der politischen Konkurrenz.

Auf Platz zwei folgt die amtierenden Stadtverordnetenvorsteherin und Ortsvorsteherin von Kastel, Christa Gabriel, die mit klaren Worten die Zunahme rechtpopulistischer und rechtsextremer Denkmuster kritisierte: „Ich trete ein für Toleranz und Respekt, für einen Umgang, bei dem Rücksichtslosigkeit gegenüber Andersdenkenden und Gewalt keine Chance haben. Das gilt für Hassprediger, die ihre Religion missbrauchen, genauso wie für Demagogen und Schreihälse, die unsere Gesellschaft spalten wollen, indem sie die Menschen nach Hautfarbe, Glauben oder kulturellem Hintergrund einteilen und bewerten.“

Auf Platz drei wurde Simon Rottloff, Vorsitzender der Dacho und Betriebsratsvorsitzender der SoKa-Bau gewählt. Rottloff, als sozialpolitischer Sprecher unterstrich, die bisherigen Erfolge der Wiesbadener Sozialpolitk: „Unsere Elternbildungsangebote und die Beratungsstellen für Familien und ältere Menschen sind ebenso wie die Gemeinwesenarbeit in den Stadtteilen unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Netzes. Das sind Errungenschaften einer sozialen Stadt, für die wir uns nicht rechtfertigen sollten, sondern auf die wir gemeinsam stolz sein können!“

Die zweite Frau auf der SPD-Liste ist Susanne Hoffmann-Fessner ein neues Gesicht im Stadtparlament. Die Vorsitzende der Wiesbadener SPD-Frauen unterstrich ihren Wunsch für die Politik, die „alten Werte, wie Mut, Haltung, Solidarität“ wieder stärker in den Fokus zu rücken. Die zentrale Frage müsse lauten: „Was nutzt es Wiesbaden, anstatt was nutzt es mir?“

Mit Michael David, Polzist und Revierleiter in Kostheim auf Platz fünf, rundet die Partei ihre Spitzenmannschaft ab. David unterstrich insbesondere seinen Wunsch, das Projekt Sportpark Rheinhöhe fortzusetzen: „Die Planungen angesichts der Kostensteigerungen einfach auf null zu stellen, würde bedeuten, sich vom Projekt zu verabschieden. Wiesbaden braucht aber endlich einen Ersatz für das Freizeitbad Mainzer Straße und die Eisbahn am Kleinfeldchen.“

Dr. Schmehl unterstrich „Wir sind überzeugt: Die Liste der SPD bildet wichtige Teile der Stadtgesellschaft ab. Unsere Liste bietet eine gute Mischung. Erfahrene Personen und Neueinsteiger, Betriebsräte, Lehrer, Polizisten, Gewerkschafter, Radfahrer, Autofahrer, Junge und Ältere, Menschen mit Migrationshintergrund – all das findet sich auf unserer Liste wieder. Und zwar bereits auf den ersten 33 Plätzen. Mit einer konsequenten Parität von Frauen und Männern über die gesamte Liste und nicht nur auf den ersten 20 Plätzen!“

Gewählt wurde auf Grundlage des vom „9er Gremiums“ entwickelten Vorschlags, wobei Gegenkandidaturen jederzeit möglich waren und sich auf der Mitgliederversammlung auch auf dem ein oder anderen Platz durchgesetzt haben (z.B. wurden Lea Eckert auf Platz 24 und Marius Becker auf Platz 27 auf bessere Plätze gewählt, als ursprünglich vorgeschlagen).

Im Vorfeld bzw. im Laufe der Mitgliederversammlung hatten Dr. Rashid Delbasteh, Sibel Güler und Sven Scharf ihre Kandidaturen zurückgezogen. Alle drei hatten Empfehlungen des 9er Ausschusses im Bereich der Plätze 26 bis 33.

Unter dem Motto „Für ein Wiesbaden. Für alle!“ geht die SPD Wiesbaden nun in den weiteren Kommunalwahlkampf und wird die Arbeit am Kommunalwahlprogramm fortsetzen.

Im Folgenden der am 17.10.2020 von den Mitgliedern der SPD Wiesbaden beschlossene Wahlvorschlag zur Kommunalwahl 2021:

  1. Dr. Hendrik Schmehl
  2. Christa Gabriel
  3. Simon Rottloff
  4. Susanne Hoffmann-Fessner
  5. Michael David
  6. Nadine Ruf
  7. Silas Gottwald
  8. Michaela Apel
  9. Gerhard Uebersohn
  10. Nedret Altintop-Nelson
  11. Aman Yoseph
  12. Sabine Ludwig-Braun
  13. Thomas Schwarze
  14. Helga Tomaschky-Fritz
  15. Rainer Schuster
  16. Gaby Wolf
  17. Lukas Schnabel
  18. Petra Vogt
  19. Christopher Nemeczek
  20. Annette Schmidt
  21. Joachim Tobschall
  22. Silvana Sand
  23. Farsin Alikhani
  24. Lea Eckert
  25. Ibrahim Kizilgöz
  26. Aglaja Beyes
  27. Marius Becker
  28. Anita Hebenstreit
  29. Mathias Lück
  30. Michaela Glück
  31. Arif Ulusoy
  32. Margrieta Wever
  33. Harald Weber
  34. Isabel Maino-Amer
  35. Björn Hambach
  36. Karen Fernandez-Müller
  37. Christoph Müller
  38. Petra Keller
  39. Wilfried Koch
  40. Ellen Wilkens
  41. Jörg Gölden
  42. Angela Weck
  43. Sebastian Schäfer
  44. Lydia Gretz
  45. Christof Stork
  46. Sarah-Christin Hoffmann
  47. Arno Enzmann
  48. Margarete Unkhoff
  49. Roland Presber
  50. Monika Buttler
  51. Urban Egert
  52. Anna Hirt
  53. Wolfgang Schmidt
  54. Barbara Losem
  55. Robert Buchroth
  56. Mechthild Behr
  57. Rainer Meier
  58. Gabriele Schmidt
  59. Wolfgang Reinsch
  60. Sabine Ruwwe
  61. Gunther Ludwig
  62. Pia Weber
  63. Mehmet Yilmaz
  64. Cornelia Kempken
  65. Frank Dommermuth
  66. Renate Kujawa
  67. Ernst-Ewald Roth
  68. Jenny Willett-Goßmann
  69. Lars Blaszkowski
  70. Inga Heisig-Bunas
  71. Dominic Korte
  72. Erika Nissen
  73. Markus Quiring
  74. Erika Milke-Frenz
  75. Helmut Fritz
  76. Christa Eng
  77. Helmut Nehrbaß
  78. Johanna Domann-Hessenauer
  79. Manfred Gerber
  80. Eva-Maria Winckelmann
  81. Kuno Hahn

30.10.2020; SPD Unterbeszirksverband Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Montag, 19.10.2020, mit dem Titel „SPD Wiesbaden beschließt Liste zur Kommunalwahl 2021“; https://www.spd-wiesbaden.de/2020/10/19/spd-wiesbaden-beschliesst-liste-zur-kommunalwahl-2021/

Wiesbaden: Dr. Eckhardt Müller führt AfD in den Kommunalwahlkampf

Müller führt AfD in den Kommunalwahlkampf 2021. Foto: Peter Gaß frg/afdwi. WIESBADEN. 12. Oktober 2020 – Am Samstag, dem 10. Oktober 2020, fand im Bürgerhaus Erbenheim die Mitgliederversammlung des AfD-Kreisverbandes Wiesbaden statt. Von den 107 Mitgliedern haben 35 teilgenommen. Bei der Versammlung wurden 30 Kandidaten für die Kommunalwahl am 14. März 2021 gewählt. Auf die ersten sechs Plätze wurden gewählt:

  1. Dr. Eckhard Müller, Fraktionsvorsitzender, AfD-Stadtverordnetenfraktion, Kreissprecher, AfD-Kreisverband Wiesbaden
  2. Robert Lambrou, Fraktionsvorsitzender, AfD-Landtagsfraktion Hessen, Landessprecher, AfD-Landesverband Hessen
  3. Denis Seldenreich, stelvertretender Fraktionsvorsitzender und Parlarmentarischer Geschäftsführer, AfD-Stadtverordnetenfraktion
  4. Dr. Klaus-Dieter Lork, Stadtverordneter, Schatzmeister, AfD-Kreisverband Wiesbaden
  5. Monika Giesa, stellvertretende Kreissprecherin, AfD-Kreisverband Wiesbaden
  6. Dr. Roman Bausch, Referent AfD-Landtagsfraktion Hessen

Die AfD hat namit nach eigenen Angaben ein kompetentes Team mit einer Mischung aus erfahrenen KOmmunalpolitikern und aufstrebenden Jung-Politikern gewählt, die die gesamte Bandbreite der Gesellschaft abdecken.
30.10.2020; AfD Kreisverband Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Montag, 12.10.2020, mit dem Titel „Stadtverordnete gewählt““; https://wi.afd-hessen.org/stadtverordneten-gewaehlt/

Wiesbaden: Christiane Hinninger führt BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN in den Kommunalwahlkampf

Hinninger führt Grüne in den Kommunalwahlkampf 2021. Foto: Peter Gaß frg/b90gwi. WIESBADEN. 5. Oktober 2020 – Der Wiesbadener Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat seine Liste für die im am 14. März 2021 stattfindende Kommunalwahl aufgestellt. Auf ihrer Wahlversammlung wählten DIE GRÜNEN neben 17 Listen für Ortsbeiräte auch 54 Kandidaten für das Stadtparlament. Angeführt wird die längste Liste in der Geschichte des Kreisverbands von der aktuellen Fraktionsvorsitzenden Christiane Hinninger und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Felix Kisseler. Auf Platz 3 setzte sich Konny Küpper durch, gefolgt von drei neuen Gesichtern mit Walid Hafezi, der Grünen-Jugend-Kandidatin Nele Siedenburg und Martin Kraft.

Bunte Liste mit breiter Themenauswahl

„Von Umwelt- und Klimaschutz, über soziale Themen bis zu Kultur, Bildung, Gesundheit, Verkehr und vielen weiteren Bereichen sind wir mit unseren Kandidaten gut für die anstehenden Herausforderungen in der Stadtpolitik aufgestellt. Wir haben eine vielfältige Liste mit einer guten Mischung aus viel Erfahrung und frischen Perspektiven“, erläutert Kreisverbandsvorsitzende Uta Brehm. „Unsere stark gewachsene Mitgliedschaft wird in unserer neuen Fraktion gut repräsentiert werden und viele kluge und frische Köpfe werden in der Fraktion mit verschiedenen Blickwinkeln und neuen Antworten zu einer starken Grünen Stimme in Wiesbaden beitragen“, so Brehm weiter.

„Die Zeichen stehen auf Grün“

Zur Spitzenkandidatin wurde Christiane Hinninger gewählt, welche in Ihrer Vorstellungsrede für eine Fortsetzung der erfolgreichen Grünen Regierungspolitik warb: „2021 wird das Jahr einer Richtungsentscheidung – für unsere Stadt und für das ganze Land. Die Zeichen stehen auf GRÜN. Im Bund geht es darum, endlich konsequente ökologisch-soziale Politik zu machen und in unserer Stadt geht es darum, ob wir den Aufbruch fortsetzen oder ob er abgewürgt wird und Wiesbaden wieder unter dem Mehltau einer GroKo versinkt.“ In ihrer Rede vor allem Bezug auf Grüne Erfolge und kommende Herausforderungen. „Unser Wahlprogramm haben wir unter das Motto Eine Stadt für alle gestellt, dieses Motto geht nur mit uns Grünen, denn wir sind die gestaltende Kraft in Wiesbaden“, so Hinninger abschließend.

Ein Blick auf die ersten 24 Plätzen zeigt folgendes Bild:

  1. Christiane Hinninger
  2. Felix Kisseler
  3. Konny Küpper
  4. Walid Hafezi
  5. Nele Siedenburg
  6. Martin Kraft
  7. Gesine Bonnet
  8. Ronny Maritzen
  9. Marie-Luise-Bohm
  10. Hendrik Seipel-Rotter
  11. Dorothee Andes-Müller
  12. Johannes Luderschmidt
  13. Bettina Gies
  14. Karl Braun
  15. Dorothea Angor
  16. Michael Lorenz
  17. Dorothee Riemeier
  18. Boris Mackrodt
  19. Tilli Reinhardt
  20. Jörg Daur
  21. Silvia Miebach
  22. Bruno Nemec
  23. Ina Möllenhof
  24. Axel Bretzke

30.10.2020; BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Samstag, 03.10.2020, mit dem Titel „GRÜNE Wiesbaden wählen Kandidierende für die Kommunalwahl 2021“; https://gruene-wiesbaden.de/startseite/news-volltext/article/gruene_wiesbaden_waehlen_kandidierende_fuer_die_kommunalwahl_2021/

Wiesbaden: Daniela Georgi führt CDU in den Kommunalwahlkampf

Daniela Georgi führt CDU in den Kommunalwahlkampf. Foto: Peter Gaß frg/cduwi. WIESBADEN. 1. Oktober 2020 – In der CDU wird immer mal wieder eine Frauenquote ins Gespräch gebracht. Je nach sonstiger Nachrichtenlage wird darüber mehr oder weniger heftig diskutiert. Die Wiesbadener CDU schafft schon mal Fakten. Auf den ersten 20 Plätzen der Liste für die Kommunalwahl 2021 befinden sich neun Frauen. Bisher feste Größen wie Astrid Wallmann, Claudia Spruch und Renate Kienast-Dittrich wurden von dem sogeannten Siebener-Ausschuss, der die Liste für die Kommunalwahl aufstellt, nicht mehr berücksichtigt. Kienast-Dittrich zog ihre Konsequenzen. Sie ist aus der CDU ausgetreten und schloß sich am ersten Oktober der Fraktion Bürgerliste/Freie Wähler an.

Der Wahlvorbereitungsausschuss der Wiesbadener CDU hat seinen Vorschlag für die Kandidatenliste zur Kommunalwahl im Frühjahr 2021 vorgestellt. Unter den 81 Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung finden sich zahlreiche neue Gesichter und Persönlichkeiten aus der Stadtgesellschaft. Angeführt wird die Liste von Daniela Georgi. Nach dem Willen des Ausschusses zieht die Partei somit erstmals in ihrer 75-jährigen Geschichte mit einer Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Auch die weiteren Listenplätze stehen für den beabsichtigten Neuanfang der Rathausfraktion: Allein auf den ersten 20 Plätzen finden sich 12 Kandidaten, die nicht Teil der bisherigen Fraktion sind.

„Wir waren uns einig, dass es einen klaren, glaubwürdigen Neuanfang geben muss und für einen solchen steht diese Liste. Mit ihr richten wir den Blick in die Zukunft“, fasst der Kreisvorsitzende Ingmar Jung das zentrale Anliegen des Listenvorschlags zusammen, an dessen Erstellung er als Vorsitzender des Ausschusses beteiligt war. „Wir sind überzeugt, dass uns mit diesen vielen neuen und kompetenten Köpfen der Neustart gelingen wird, den die Kommunalpolitik dieser Stadt dringend benötigt. Mit der Mischung aus frischen, unverbrauchten und bewährten, erfahrenen Kandidaten gehen wir mit einem starken Team in die Wahl. Dabei sind wir besonders stolz, dass sich auf den ersten 20 Plätzen neun Frauen und sieben Kandidaten unter 35 Jahren finden. Unsere Fraktion wird somit deutlich jünger und weiblicher werden. Das ist ein Aufbruch in eine neue Zeit.“

Daniela Georgi, stellvertretende Kreisvorsitzende und designierte Spitzenkandidatin ihrer Partei, freut sich auf die neue Herausforderung: „Ich bin sehr dankbar über die Chance, unsere Partei in den Wahlkampf zu führen und daran mitzuwirken, dass die CDU wieder die entscheidende Kraft in der Kommunalpolitik wird. Unsere Heimatstadt liegt uns am Herzen und wir wollen daher mit frischen Ideen und Konzepten dafür sorgen, dass Wiesbaden künftig noch besser regiert und so verloren gegangenes Vertrauen in die Stadtpolitik zurückgewonnen wird.“ Ihr Ziel sei es, dass die CDU bei der Kommunalwahl klar stärkste Kraft werde, so Georgi. Die 41jährige Mutter zweier Kinder arbeitet als Referatsleiterin in der Hessischen Staatskanzlei und wohnt mit ihrer Familie im Dichterviertel.

Auf der Liste zur Kommunalwahl finden sich auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Vereinen und Verbänden, darunter etwa Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Hessen, Wolfgang Vielsack, künstlerischer Leiter des kuenstlerhaus43, Abdül Akpinar, Sprecher der islamischen Gemeinde in Wiesbaden und Vorstandsmitglied des Partnerschaftsverein Wiesbaden-Istanbul/Fatih, sowie Felicitas Reusch, Vorsitzende der Wiesbadener Kunstarche. Anders als bei früheren Listenaufstellungen wurden diesmal die Kandidatinnen und Kandidaten für den ehrenamtlichen Magistrat, zu denen erfahrende Stadträte wie Dieter Schlempp zählen, nicht auf die Liste gesetzt. Sie sollen stattdessen gesondert vorgeschlagen werden. Den Listenvorschlag für die Kommunalwahl hat im Auftrag der Partei der aus sieben Personen bestehende Wahlvorbereitungsausschuss erstellt. Die endgültige Entscheidung über die Liste treffen dann die Delegierten auf dem CDU-Parteitag am 10. November.

„Bereits seit Anfang September arbeiten mehrere Gremien unserer Partei an einem ambitionierten Wahlprogramm, das im Januar von einem Parteitag beschlossen und unter dem Motto „Unser Wiesbaden von morgen“ unsere Stadt fit für die Zukunft machen soll. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem nun vorliegenden Listenvorschlag auch die richtigen Köpfe gefunden haben, um diese Themen umzusetzen und sowohl inhaltlich als auch personell einen erfolgreichen Neuanfang für die Kommunalpolitik zu erreichen“, so Jung und Georgi abschließend.
01.10.2020; CDU Kreisverband Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Montag, 28.09.2020, mit dem Titel „Klares Signal für einen Neuanfang“; https://www.cdu-wiesbaden.de/aktuelles/klares-signal-fuer-einen-neuanfang/

Wiesbaden: Christian Diers führt FDP in den Kommunalwahlkampf

Diers führt FDP in den Kommunalwahlkampf 2021. Foto: Peter Gaß frg/fdpwi. WIESBADEN. 6. September 2020 – Auf der Mitgliederversammlung der FDP Wiesbaden am Samstag, dem 5. September 2020 die Kandidaten für die Kommunalwahl am 14. März 2021 gewählt. Mit 95 Prozent wurde der Kreis- und Fraktionsvorsitzende Chris Diers zum Spitzenkandidaten gekürt. Die Liste wurde mit 80 weiteren Freien Demokraten aufgefüllt. Die ersten zehn Kandidaten sind:

  1. Christian Diers
  2. Sylvia Schob
  3. Lucas Schwalbach
  4. Alexander Winkelmann
  5. Sebastian Rutten
  6. Nathalie Becker
  7. Gabriele Enders
  8. Jeanette-Christine Wild
  9. Dr. Matthias Linz
  10. Katharina Ostermann

30.10.2020; FDP Kreisverband Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Montag, 06.09.2020, mit dem Titel „Diers führt FDP Liste zur Kommunalwahl an“; https://fdp-wiesbaden.de/meldung/diers-fuehrt-fdp-liste-zur-kommunalwahl-an/

Wiesbaden: IHK Wiesbaden: „Straßenbahn kann Teil der Lösung der Verkehrsprobleme sein“

CityBahn hat bereits 10 Mio. Euro verschlungen. Foto: Peter Gaß frg/ihkwi. WIESBADEN. 1. Oktober 2020 – In Wiesbaden werden jahrelang viele Themen diskutiert aber es werden selten Probleme gelößt. Man geht selten den Ursachen auf den Grund. Die Diskussion über die Straßenbahn ist ein Beispiel dafür. Der Gräselberg war ein neu geplantes Wohngebiet mit Einfamilienhäusern, Reihenhäusern, Mehrfamilienhäusern. Dort leben ca. 5.000 Menschen. Als der Autor in das Wohngebiet gezogen ist, gab es fünf Lebensmittelgeschäfte, die alle fußläufig erreichbar waren. Es gab eine Reinigung, eine Änderungsschneiderei, ein Schreibwarengeschäft, eine Post, ein Friseur, verschiedene Ärzte, eine ESWE-Fahrkarten-Verkaufsstelle, Fahrkartenautomaten, Altkleidercontainer etc. Mittlerweile ist davon nicht mehr viel übrig geblieben. Das nächste Lebensmittelgeschäft befindet sich am Rande des Wohngebiets. Für viele Menschen ist dies nur mit dem PKW oder mit dem Bus erreichbar. Es gibt keinen Bäcker mehr – nur noch eine halbe Backwarenverkaufsstelle; Öffnungszeit bis 13:00 Uhr. Zum 31. Dezember 2020 schließt auch diese. Die meisten Altkleidercontainer wurden entfernt. Mülleimer wurden abgebaut.

Was bedeutet das in der Konsequenz? Wenn jemand von den 5.500 Bewohnern ein Brot kaufen möchte, muss er seinen PKW bewegen oder in den Bus einsteigen, um in Richtung Innenstadt zu fahren. Die Anbindung mit dem ÖPNV an die benachbarten Stadtteile Biebrich und Dozheim ist ausbaufähig. Der Bus fährt im oft Stundentakt, manchmal im Halbstundentakt. Das heißt, für die Besorgungen des täglichen Bedarfs, die man früher fußläufig erledigt hat, muss man sich nun Richtung Innenstadt bewegen. Das provoziert zusätzlichen Verkehr.

An diese Probleme geht niemand ran. Seit Jahren fordern die Menschen mehr Abfalleimer. Zuletzt bei dem mit vielen Steuermitteln geförderten Projekt Soziale Stadt Gräselberg. Zuletzt haben die Anregungssammler im Herbst 2019 diese Forderung notiert. Passiert ist nichts. In einem Jahr hätte man viele Abfallbehälter aufstellen können. Gerade auch um den sogenannten Quartiersplatz, an dem sich täglich und besonders an Wochenenden gesellige Menschen treffen – andere sprechen von Corona-Partys. Montags ist der Platz mit Müll übersät.

Fußläufige Erreichbarkeit von Geschäften für den täglichen Bedarf. Dazu braucht es nicht viel. Statt dessen wird in vielen Disussionen lediglich die Innenstadt in den Blick genommen. Die Stadtteile verlieren an Lebensqualität. So provoziert man Probleme, über deren Lösung man anschließend lange diskutiert. Dieses Vorgehen läßt sich auch auf die Straßenbahn übertragen.

Die IHK-Vollversammlung hat Position bezogen – die gewählten Repräsentanten der regionalen Wirtschaft haben sich mehrheitlich für den Bau einer City-Bahn in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ausgesprochen. In ihrer digitalen Sondersitzung am Dienstag, dem 29. September 2020, stimmten 23 Mitglieder des Gremiums für den Bau einer Citybahn, 15 dagegen, es gab eine Enthaltung. „Das Parlament der Wirtschaft ist der Ansicht, dass eine Straßenbahn, die Wiesbaden, das Aartal und Mainz verbindet, Teil einer zukunftsfähigen Ausgestaltung des Verkehrsangebotes ist und dazu beitragen kann, die Verkehrsprobleme der Region nachhaltig zu lösen“, heißt es wörtlich in dem Beschluss. Vorausgegangen war eine intensive Befragung von Fachexperten und Gutachtern zu offenen Punkten der Wirtschaft, an der sich 90 Unternehmer beteiligten, darunter neben den abstimmungsberechtigten Mitgliedern der Vollversammlung auch Vertreter aus den fachlichen Ausschüssen der IHK Wiesbaden.

Das Parlament der Wirtschaft war sich einig, dass es mit Blick auf die Verkehrsprobleme in der Region höchste Zeit zum Handeln ist. Dabei dürfe die City-Bahn nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts zu Mobilität und Verkehr in der Wirtschaftsregion – entscheidend sei eine Verzahnung mit anderen Verkehrsmitteln. „Wir sehen die City-Bahn keinesfalls als Allheilmittel für die Lösung unserer Verkehrsprobleme“, sagte IHK-Präsident Dr. Christian Gastl, „aber als wichtiges Puzzle-Teil im Gesamtsystem“. Breite Unterstützung gab es aus dem Gremium für das umfassende Maßnahmenpaket von Stadt und Region zu Mobilität und Verkehr.

Die Befürworter der Straßenbahn unter den Wirtschaftsvertretern erhoffen sich eine Belebung von Geschäften, Restaurants und Kultureinrichtungen durch eine verbesserte Anbindung. Außerdem seien Unternehmen für Mitarbeiter besser erreichbar, Fachkräfte seien flexibler in ihrer Wohnortwahl – damit könne ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigen. So wäre die Straßenbahn eine zusätzliche, emissionsarme Verkehrsachse nach Mainz und würde zudem das Aartal mit Städten wie Taunusstein und Bad Schwalbach besser erschließen. Eine leistungsfähige Schienenanbindung des Untertaunus wird von der Mehrheit des Gremiums als dringend notwendig erachtet, um dort Wachstums- und Entwicklungschancen zu heben und den Tourismus zu stärken. Vom Investitionsvolumen des Projekts erhoffen sich die Befürworter der City-Bahn positive Impulse für die Gesamtwirtschaft.

Kritische Stimmen gab es vor allem zur Bauzeit und der Finanzierung des Projekts – so wurde etwa bemängelt, dass noch keine Berechnung der Folgekosten und auch kein Finanzierungskonzept vorliegen. Betriebe entlang der Strecke müssten während der Bauzeit mit Umsatzeinbußen rechnen – wenn sich diese verlängere, könne das gerade für Einzelhändler entlang der Strecke das Aus bedeuten, so die Gegner des Projekts im Wirtschaftsparlament. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wie sich die Verlegung von Schienen auf den Verkehrsfluss auswirkt und ob eine Straßenbahn mit neuen technischen Entwicklungen im Bereich der Mobilität mithalten kann. Weiterhin wurde hinterfragt, ob nicht zunächst kurzfristig realisierbare Maßnahmen wie Digitalisierungsprojekte greifen sollten. Auch sei überhaupt nicht klar, wie die Lebenswirklichkeit in Mobilitätsfragen in 20 Jahren aussehe.

Als Grundlage für seine Entscheidung betonte das Gremium, dass Investitions-, Betriebs- und Instandhaltungskosten realistisch eingeschätzt und mit einem tragfähigen Finanzierungskonzept hinterlegt werden müssen. Da eine City-Bahn stadtbildprägend sein kann, müssten City-Bahn-Fahrzeuge und Haltestellen stadtbildverträglich gestaltet sein. Weiter heißt es in dem Beschluss: „Um Beeinträchtigungen für Gewerbebetriebe während der Bauzeit zu minimieren, müssen ein Entschädigungsmanagement, ein Baustellenmana¬gement und ein Baustellenmarketing eingeführt werden. Die Innenstadt muss mit allen Verkehrsmitteln erreichbar bleiben.“

Sollte sich der Bürgerentscheid in Wiesbaden gegen eine City-Bahn aussprechen oder eine erforderliche Mehrheit nicht erreicht werden, erwarten die Vertreter der heimischen Wirtschaft eine rasche Entscheidung der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung über zukunftsorientierte Verkehrsinfrastrukturen und Verkehrsangebote.

Pro- und Contra-Stimmen zur City-Bahn hatte die IHK Wiesbaden bereits im Jahr 2018 eingeholt, unter anderem in der gemeinsamen Informationsveranstaltung „City-Bahn – Chancen und Risiken für die Wirtschaft“ mit der IHK Rheinhessen und den Handwerkskammern Wiesbaden und Rheinhessen. Vor genau zwei Jahren – im September 2018 – hatte sich das Parlament der regionalen Wirtschaft in einem Zwischenbeschluss noch mit einer Mehrheit von 30 zu 6 Stimmen, bei 3 Enthaltungen, gegen das Projekt ausgesprochen: Die gewählten Unternehmer kritisierten seinerzeit, dass für ein Projekt in dieser Größenordnung viele Voraussetzungen noch nicht geklärt seien und forderten das Stadtparlament Wiesbaden und den Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises auf, offene Aspekte zu klären. Die IHK hatte den anschließenden Prozess begleitet und sich konstruktiv-kritisch bei Mobilitäts- und Verkehrsthemen eingebracht.

„Jetzt liegen Antworten auf viele Fragen der Wirtschaft vor“, sagte IHK-Präsident Gastl bei der virtuellen Sitzung im September 2020. Um einen Überblick über alle laufenden und geplanten Maßnahmen im Bereich Mobilität und Verkehr zu geben und diese in einen aktuellen Gesamtkontext zu stellen, hatte die IHK bereits vorab in elf Videoimpulsen Experten aus der Verwaltung und Gutachter zu Wort kommen lassen und diese über ihre Homepage für alle zugänglich gemacht. Dort findet sich auch ein Hintergrundpapier zu laufenden und geplanten Verkehrsprojekten in der Wirtschaftsregion.
05.10.2020; Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden; in: Pressemitteilung, von Mittwoch, 30.10.2020, mit dem Titel „IHK-Vollversammlung: Mehrheit für die City-Bahn“; https://www.ihk-wiesbaden.de/presse/journalisten/pressemeldungen/ihk-vollversammlung-mehrheit-fuer-die-city-bahn-4901532

Wiesbaden: Für City-Bahn 10 Mio. Euro verbrannt +++ Kowohl denkt nicht über Rücktritt nach

CityBahn hat bereits 10 Mio. Euro verschlungen. Foto: Peter Gaß frg. WIESBADEN. 4. November 2020 – Wie berichtet, wurden für die CityBahn Wiesbaden allein bei ESWE-Verkehr bis Ende Juni 2020 bereits ca. acht Millionen Euro ausgegeben. Für Planungen, für rechtliche Beratung und ein sehr großer Anteil davon für die Werbung. Werbemaßnahmen werden in diesem Zusammenhang Kommunikationsdienstleistungen genannt.

Der Verkehrsdezernet Andreas Kowohl (B90/Die Grünen) sagt im Interview mit Lisa Marie Christ und Nele Leubner: „Ich stelle jetzt mal die kühne Behauptung auf: Ohne Kommunikation wäre das Ergebnis des Bürgerentscheids [Die CityBahn wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt] auch nicht anders ausgefallen.“ Der Verkehrsdezernet hat also 10 Millionen Euro verbrannt. Zu den Rücktrittsforderungen sagt Kowohl: „Ich denke nicht über Rücktritt nach, Es ist nachvollziehbar, dass man jetzt jemanden als Schuldigen brandmarkt, die Idee aufkommt, das müsse Konsequenzen haben.“

04.11.2020; Lisa Marie Christ und Nele Leubner im Interview mit Andreas Kowohl, (B90/Die Grünen), Verkehrsdezenerent der Landeshauptstadt Wiesaden: Plan B: Nichts übers Knie brechen; in: Wiesbadener Kurier, Mittwoch, 4. November 2020, Seite 11

frg. WIESBADEN. 1. Oktober 2020 – Es ist noch nicht entschieden, ob Wiesbaden eine Straßenbahn erhalten soll. In Wiesbaden nennt man diese selbstbewusst CityBahn. Für diese CityBahn wurden allein bei ESWE-Verkehr bis Ende Juni 2020 bereits ca. acht Millionen Euro ausgegeben. Für Planungen, für rechtliche Beratung und ein sehr großer Anteil davon für die Werbung. Werbemaßnahmen werden in diesem Zusammenhang Kommunikationsdienstleistungen genannt. Für dieses Geld hätte man viele Abfallbehälter in der Stadt aufstellen können. Und viel dafür tun können, damit man nicht für Kleinigkeiten in die Innenstadt fahren muss. 01.07.2020; Nele Leubner: „Heftig vor den Zug-Bug geknallt“; in: Wiesbadener Kurier; Samstag, 27.06.2020; Seite 13

Umwelt-, Klimaschutz

CO2-Preis für Heizen und Mobilität steigt

CO2-Preis für Heizen und Mobilität steigt. Foto: Peter Gaß frg/bmu. WIESBADEN/BERLN. 9. Oktober 2020 – Ab dem 1. Januar 2021 werden klimaschädliche fossile Brennstoffe mit einem Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 belegt. Damit verteuern sich Öl und Diesel um 7,9 Cent pro Liter, Benzin um 7 Cent pro Liter und Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Für die Mehrkosten werden Bürger unter anderem über eine Senkung des Strompreises entlastet. Die am Donnerstag, dem 8. Oktober 2020, vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung hat am Freitag, dem 9. Oktober 2020, auch den Bundesrat passiert. Mit dem Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) wird ein in den nächsten Jahren steigender CO2-Preis in Form eines nationalen Zertifikatehandels für die Sektoren Wärme und Verkehr eingeführt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): „Der CO2-Preis kommt. Entscheidend für den Erfolg wird sein, dass es gute und bezahlbare Alternativen gibt zu Heizöl, Erdgas, Benzin oder Diesel. Darum geben wir die Einnahmen aus dem CO2-Preis auf mehreren Wegen an die Bürgerinnen und Bürger zurück: über eine Entlastung beim Strompreis oder über Fördermittel etwa für neue klimafreundliche Heizungen. Das Ziel ist ja nicht, mehr Geld einzunehmen – das Ziel ist, dass der Umstieg auf klimafreundliche Alternativen auch die richtige Wahl für den Geldbeutel ist.“

Die Gesetzesänderung setzt die Vereinbarungen des Vermittlungsausschusses vom 18. Dezember 2019 um und legt einen neuen Preispfad fest, der mit 25 Euro pro Tonne CO2 am 1. Januar 2021 startet. Im Jahr 2026 geht der Festpreis in einen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 über. Eine Evaluation im Jahr 2025 wird ergeben, ob für die Folgejahre eine freie Preisbildung erfolgen wird. Das neue System erfasst sämtliche Brennstoffemissionen Deutschlands soweit sie nicht unter den EU-Emissionshandel (EU-ETS) fallen.

Parallel dazu werden höhere Ausgleichsmaßnahmen für Bürger sowie betroffene Unternehmen umgesetzt. Die Einnahmen des nationalen Emissionshandelssystems werden insbesondere für die Entlastung der EEG-Umlage verwendet, einem Kernbestandteil des Strompreises. Haushalte und Unternehmen werden so gezielt entlastet. Die Absenkung des Strompreises macht auch den Wechsel zu strombasierten Alternativen wie Elektroautos oder Wärmepumpen finanziell attraktiver. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die klimafreundlichen Alternativen, etwa durch mehr Investitionen in ÖPNV, Schienennetz und Ladeinfrastruktur sowie durch gut ausgestattete Förderprogramme für Gebäudesanierung und klimafreundliche Heizungen.

30.10.2020; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU); in: Pressemitteilung Nr. 170/20 von Freitag, 09.10.2020, mit dem Titel „Höherer CO2-Preis für Wärme und Verkehr kommt ab Januar 2021“; https://www.bmu.de/pressemitteilung/hoeherer-CO2-preis-fuer-waerme-und-verkehr-kommt-ab-januar-2021/

Fast Phone: Funktionsfähige Handys landen auf dem Müll

Funktionsfähige Handys landen auf dem Müll. Foto: Peter Gaß frg/zdf. WIESBADEN/MAINZ. 1. Oktober 2020 – Nahezu jeder Jugendliche hat ein Smartphone. Viele haben sogar mehrere. In deutschen Schubladen, Schränken und Kartons liegen rund 124 Millionen alte Mobiltelefone ungenutzt herum. Mit dem Beginn der Ausbildung wird in manchen Betrieben jedem Auszubildenden ein weiteres Smartphone, ein Tablet-PC oder ein Notebook zur
Verfügung gestellt. Heute ein tolles Gerät – morgen Elektroschrott.

Mobiler Arbeitsplatz und Unterhaltungsplattform: Handys, Tablet-PCs und Smartphones haben viele Bereiche des Lebens verändert. Doch die Nutzungsdauer der Mobilgeräte wird immer kürzer, denn stetig werden Schnelligkeit, Vernetzung sowie Multifunktionalität ausgebaut. Die Folge: Der digitale Begleiter wird im Durchschnitt bereits nach 18 Monaten ausgemustert – zulasten der Umwelt.

Etwa 1,4 Milliarden Smartphones wurden im Jahr 2019 weltweit verkauft. In jedem dieser Produkte stecken wertvolle Rohstoffe: Kobalt, Lithium, Kupfer, Silber und Gold. Diese Rohstoffe werden oft unter prekären Umständen in Ländern Afrikas und Südamerikas abgebaut und landen nach einem kurzen Smartphone-Leben allzu oft einfach im Müll. Der Technik-Soziologe Felix Sühlmann-Faul, der über die Umweltfolgen der Digitalisierung eine Studie verfasst hat, sagt dazu: „Indem die Hersteller jedes Jahr ein neues Smartphone auf den Markt bringen, veraltet das bis dato aktuelle Smartphone im Bewusstsein der Konsumenten. Und sie wollen ein neues Smartphone. Die psychologische Strategie der Hersteller ist, den Kunden ohne technischen Grund zum freiwilligen Ersatz seines Smartphones zu bewegen.“ Auch mit erschwerten und überteuerten Reparaturen würden die Hersteller für ein massives Müllproblem sorgen.
Umwelt-Doku-Reihe „planet e.“
Am Sonntag, dem 28. Juni 2020, 16:30 Uhr, berichtete „planet e.“ im ZDF, mit welchen Tricks die Hersteller immer wieder zum Neukauf animieren und wie Handy-Müll vermieden werden könnte. Die „planet e.“-Autoren Nera Smiljanic und Erik Hane berichten von einem internationalen Rohstoffkonzern, der das Technikrecycling als Geschäftsmodell entdeckt hat, und von einem Unternehmen, das Reparaturanleitungen für Smartphones ins Internet stellt.
01.10.2020; Bitkom – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.; in: Pressemitteilung von Montag, 12.08.2019 mit dem Titel „124 Millionen Alt-Handys liegen ungenutzt herum“; https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/124-Millionen-Alt-Handys-liegen-ungenutzt-herum.html
Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF); in: Pressemitteilung von Montag, 24.06.2020, mit dem Titel „Fast Phone: planet e. über schnell veraltete Handys“; https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/mitteilung/fast-phone-planet-e-ueber-schnell-veraltete-
handys/

Fast Fashion belastet das Klima

Fast Fashion belastet das Klima. Foto: Peter Gaß frg/zdf. WIESBADEN/MAINZ. 1. Oktober 2020 – Wenn es in einem Unternehmen Einheitskleidung gibt, haben es die Beschäftigten leicht: Sie wissen jeden Tag, was sie anziehen sollen. Die meisten Menschen in Deutschland – insbesondere die Jugendlichen – kaufen wesentlich mehr Kleidung, als sie benötigen.

Die weltweite Produktion von Kleidung und Schuhen hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt – mit weitreichenden ökologischen Auswirkungen.

Modeketten bringen pro Jahr mehr als 20 Kollektionen heraus und schaffen damit ständig neue Kaufanreize. Dabei setzen sie auf Influencer-Marketing – auf Botschafter im Netz, die die neuen Kollektionen präsentieren. Tausendfach werden solche Beiträge auf Instagram oder YouTube geklickt.

Ständig neue Klamotten zu shoppen, war auch viele Jahre das Hobby von Model und Schauspielerin Marie Nasemann. Doch der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im Jahr 2013 in Bangladesch hat sie zum Umdenken bewegt. Heute setzt sich Marie Nasemann für faire Mode ein und zeigt, wie nachhaltiger Modekonsum funktionieren kann Mit der Kleidungsproduktion wächst auch der Berg an Altkleidern. Sammler und Sortierer refinanzieren die kostenlose Altkleider-Verwertung, indem sie die noch tragbaren Kleidungsstücke weiterverkaufen. Doch wiederverwendbare Kleidung findet sich immer seltener in den Säcken. Stattdessen
nimmt der Anteil an minderwertiger Polyester-Ware zu. Für Sammler und Sortierer bedeutet die geringe Qualität, dass sie weniger einnehmen und auf Dauer nicht mehr kostendeckend wirtschaften können. Branchenvertreter sprechen bereits von einem existenzbedrohenden Ausmaß.

Bricht die Wiederverwendung als Secondhandware zusammen, droht auch ökologisch der Kollaps. Denn dann müssen Berge an noch tragbarer Kleidung in der Müllverbrennung entsorgt werden. Dabei verbraucht die weltweite Textilproduktion massiv Ressourcen und zählt zu den großen Verursachern von klimaschädlichem CO2.
Umwelt-Doku-Reihe „planet e.“
Am Sonntag, dem 29. September 2019, 15.00 Uhr, berichtete „planet e.“ im ZDF in einem Film von Nina Kuhn und Anja Utfeld über „Fast Fashion – Die Folgen des Modewahnsinns“. Die „planet e.“-Dokumentation verfolgt den Weg der Altkleider. Die Autoren zeigen Alternativen auf – wie beispielsweise Textil-Recycling – und erläutern Möglichkeiten und Grenzen entsprechender Verfahren.
01.10.2020; Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF); in: Pressemitteilung von Mittwoch, 25.09.2019, mit dem Titel „Fast Fashion: planet e. im ZDF über Folgen des Modewahnsinns“; https://www.presseportal.de/pm/7840/4385398

Wirtschaft

IHK Wiesbaden: Wirtschaft auf Erholungskurs

Wirtschaft auf Erholungskurs. Foto: Peter Gaß frg/ihkwi. WIESBADEN. 9. Oktober 2020 – Nach dem Corona-Schock spüren die Unternehmen in der Wirtschaftsregion Wiesbaden wieder Aufwind – das Geschäftsklima hat sich nach dem historischen Tief im Frühsommer merklich erholt. Das geht aus der repräsentativen Herbst-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden für die Landeshauptstadt, den Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim hervor. Geschäftslage und -erwartungen, Investitions- und Exportpläne verbessern sich deutlich. Auch ihre Personalpläne haben Unternehmen im Wiesbadener Raum wieder etwas nach oben korrigiert. „Allerdings hält die Corona-Pandemie die Unternehmen in der Region Wiesbaden weiter in Atem“, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. So sehen die Betriebe die weitere Entwicklung der Pandemie auch als größten Risikofaktor an.

Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region ist der IHK-Geschäftsklimaindex. Seit Frühsommer ist er um 34 Punkte auf 98 Zähler gesprungen – und liegt damit nahe der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Der Durchschnitt in Hessen liegt aktuell bei 95 Punkten. „Das Geschäftsklima hat sich sichtbar erholt. Den historischen konjunkturellen Tiefpunkt haben wir hinter uns gelassen. Allerdings nur vorläufig, denn ein zweiter pandemiebedingter Lockdown würde den Erholungspfad unterbrechen. Wir sind noch nicht über den Berg“, kommentiert Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden.

Die starke Erholung des Geschäftsklimas markiert den stärksten und schnellsten Anstieg seit Aufzeichnung im Jahr 2005. „Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Wirtschaftsbereiche weiter fest im Griff des Corona-Virus sind. Dazu gehören insbesondere der Tourismus und die Veranstaltungsbranche“, sagt Steidl.

So rechnen 45 Prozent der Betriebe im Wiesbadener Raum mit einem Rückgang des Gesamtumsatzes im Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie um bis zu 25 Prozent. Ein Fünftel der Unternehmen geht von einem Rückgang um mehr als ein Viertel aus. 7 Prozent rechnen mit einer Umsatzsteigerung, ein Fünftel sieht keine Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsätze und 9 Prozent können derzeit keine Einschätzung abgeben.

Die wirtschaftliche Lage im Einzelnen

Die derzeitige Geschäftslage der Unternehmen im Bezirk der IHK Wiesbaden hat sich seit der letzten Umfrage im Frühsommer 2020 deutlich verbessert. 24 Prozent der Unternehmer beschreiben ihre Lage als gut (+2 Prozentpunkte), 28 Prozent als schlecht (-17 Punkte). 48 Prozent der Betriebe verweisen auf eine befriedigende Geschäftslage (+15 Punkte). Auch die Geschäftserwartungen sind seit Frühsommer 2020 wieder gestiegen. 23 Prozent der Betriebe haben positive Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate (+12 Prozentpunkte). 24 Prozent rechnen mit schlechteren Aussichten (-35 Punkte). 53 Prozent der Betriebe gehen von gleichbleibenden Erwartungen aus (+23 Punkte).

Unternehmen im Wiesbadener Raum wollen in den kommenden zwölf Monaten Personal abbauen, aber weniger stark als zuletzt geplant. 14 Prozent wollen neue Stellen schaffen (+7 Prozentpunkte), 23 Prozent ihre Belegschaft verkleinern (-9 Punkte) und 63 Prozent die Mitarbeiter halten (+2 Punkte). „Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter eher nicht freisetzen. Das Kurzarbeitergeld erweist sich dabei als gutes Instrument, die negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt zu dämpfen“, sagt IHK-Chefvolkswirt Steidl.

Die Investitionsbereitschaft steigt, Unternehmen halten sich mit Investitionen dennoch weiter zurück: 19 Prozent der Betriebe wollen die Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten steigern (+7 Prozentpunkte). 40 Prozent planen eine Kürzung (-16 Punkte) und 41 Prozent gleichbleibende Investitionen (+9 Punkte). „Die weit verbreitete coronabedingte Unsicherheit in der Wirtschaft ist zwar gesunken. Unternehmen bleiben aber angesichts der realen Gefahr erneuter Einschränkungen vorsichtig“, kommentiert Steidl.

Die Exporterwartungen der exportierenden Unternehmen in der Wirtschaftsregion Wiesbaden sind gestiegen, aber weiter negativ. 15 Prozent rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit einem wachsenden Exportvolumen (+4 Prozentpunkte), 32 Prozent gehen von einem Rückgang aus (-24 Punkte) und 53 von gleichbleibenden Exporten (+20 Punkte). „Bei exportierenden Betrieben spielen weiterhin die gesunkene ausländische Nachfrage, coronabedingte Handelsbeschränkungen und offene Fragen beim Brexit eine Rolle.“

Risiken für die Geschäftsentwicklung

Die Neubewertung der Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung im Lichte der Corona-Krise hat weiter Bestand. Als größtes Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten wird die Inlandsnachfrage genannt. 71 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk erkennen hier ein Risiko (+17 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Herbst 2019). Der Fachkräftemangel, das Top-Risiko zwischen Frühsommer 2017 und Herbst 2019, wird jetzt nur noch von 27 Prozent der Unternehmen als Risiko identifiziert (-31 Punkte). Dieser Wert wurde zuletzt im Jahr 2014 erreicht. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben wichtig: 54 Prozent (+3 Punkte) der Betriebe erkennen hier Risiken für den Unternehmenserfolg. Die Auslandsnachfrage hat deutlich an Bedeutung gewonnen: 29 Prozent (+11 Punkte) der Unternehmen sehen hier Risiken. Das ist – wie bereits im Frühsommer – der höchste Wert seit Abfrage der größten Risiken im Jahr 2010. Auch die Finanzierung wird wichtiger: Für 13 Prozent (+5 Punkte) ist sie ein Risiko. Deutlich an Bedeutung abgenommen haben die Entwicklung der Arbeitskosten und die Energie- und Rohstoffpreise: Sie sind auf 28 bzw. 13 Prozent gefallen (-9 bzw. -10 Punkte). Erstmals konkret abgefragt wurde, inwieweit der Klimawandel ein unternehmerisches Risiko darstellt. Das ist bei 62 Prozent der Betriebe der Fall, bei 38 Prozent nicht.

Sonderauswertung Fachkräfte

Ein Viertel der Unternehmen kann derzeit offene Stellen längerfristig (länger als zwei Monate) nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2019. Ein Viertel der Betriebe hat keine Probleme mit der Stellenbesetzung. Vor einem Jahr war es ein Fünftel. Die Hälfte hat keinen Personalbedarf (+14 Prozentpunkte). „Aufgrund der coronabedingten Effekte auf dem Arbeitsmarkt können Stellen aktuell besser besetzt werden. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die keinen Personalbedarf haben“, sagt IHK-Chefvolkswirt Steidl. Wie finden Unternehmen neue Mitarbeiter? Befragt nach den genutzten Rekrutierungskanälen für Fachkräfte nennen 52 Prozent Unternehmen überregionale Online-Plattformen, 44 Prozent sogenannte Social-Media-Kanäle, 41 Prozent regionale Online-Plattformen, 25 Prozent Zeitungen, 23 Prozent Headhunting und 20 Prozent Zeitarbeitsfirmen. 30 Prozent nutzen andere Kanäle, darunter die eigene Website, die Arbeitsagentur oder das berufliche Netzwerk.
09.10.2020; Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden; in: Pressemitteilung von Donnerstag, 08.10.2020, mit dem Titel „Regionale Wirtschaft auf Erholungskurs“; https://www.ihk-wiesbaden.de/presse/journalisten/pressemeldungen/regionale-wirtschaft-auf-erholungskurs-4907890

DB Cargo verbindet Westhäfen mit Hafenhinterland

DB Cargo verbindet Westhäfen mit Hafenhinterland. Grafik: Deutsche Bahn frg/dbc. WIESBADEN/BERLIN. 6. Oktober 2020 – DB Cargo bietet neue Verbindungen von und zu den beiden größten europäischen Häfen Rotterdam und Antwerpen an. Damit vernetzt die Güterbahn ab Dezember täglich die Westhäfen mit den wichtigsten Wirtschaftszentren im deutschen Hafenhinterland. Ab dem Jahr 2021 soll die Transportmenge auf diesen Verbindungen um etwa 100.000 Container pro Jahr wachsen.

„Wir bauen für unsere Kunden in Antwerpen und Rotterdam auf, was wir mit unserem Netzwerk in anderen Häfen wie Hamburg schon viele Jahre erfolgreich betreiben. Wir stehen bereit! Allein mit den neuen Abfahrten aus den Westhäfen entlasten wir Umwelt und Straßen um jährlich 70.000 Lkw“, so Dr. Sigrid Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn und CEO von DB Cargo.

DB Cargo und ihre Tochter TFG Transfracht bringen mehr Güter auf der Schiene: Alle wichtigen Terminals in den Häfen werden täglich angefahren. Die Ware der Kunden wird von dort im kombinierten und im Einzelwagenverkehr weiter transportiert. Auch Branchen mit schwankenden Mengen wie z.B. die Chemieindustrie können das Angebot nutzen.

Die Mengen werden aus den Häfen abgefahren und in Kijfhoek gebündelt. Der größte Rangierbahnhof der Niederlande liegt unweit von Antwerpen und nahe Rotterdam. Von dort aus gelangt die Fracht mit schnellen Direktzügen über Nacht an ihr Ziel.

Die Häfen Antwerpen und Rotterdam schlagen jährlich 27 Millionen Container um. Allerdings rollt die Fracht von und zu den Westhäfen bislang erst zu acht bis elf Prozent über die Schiene. Anders in Hamburg: Der drittgrößte Hafen in Europa hat einen Schienenanteil von über 50 Prozent.

14.10.2020; Deutsche Bahn; in: Pressemitteilung von Dienstag, 06.10.2020, mit dem Titel „DB Cargo verbindet Häfen Rotterdam und Antwerpen mit europäischen Wirtschaftszentren“; https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/DB-Cargo-verbindet-Haefen-Rotterdam-und-Antwerpen-mit-europaeischen-Wirtschaftszentren–5659914?contentId=1204030
Grafik: Deutsche Bahn AG

Weitere Aspekte, die rund um Wirtschaft aktuell diskutiert werden

  • Neues Insolvenzrecht

Fotos: Peter Gaß, Stand: 09.11.2020 (a: 123, q4: 47); 02.11.2020 (a: 123, q4: 40), 26.10.2020 (120), 13.10.2020 (113), 01.10.2020 (72); 30.09.2020 (61: 23 Agrar von LDW-V2, 4 W-Presse, 8 GalaBau)